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Dies ist das Wiki zu den Seminaren zur Covid-19 Pandemie im Sommersemester 2020 von Prof. Dr. Martin Voss (Freie Universität Berlin).

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Verschwörungstheorien

Definition

Versuch ein komplexes, unerklärliches Ereignis durch eine Verschwörung zu erklären und dadurch besser zu verstehen, es weniger komplex zu machen und mehr Kontrolle darüber zu gewinnen. Meistens richtet sich die Verschwörung gegen den Staat bzw. Personen(-gruppen) in Machtpositionen, wobei es sich nicht um wissenschaftlich nachgewiesene Theorien handelt.[1]

Verschwörungstheorien als Krisensymptom

Verschwörungstheorien werden bereits seit der Antike überliefert, fanden allerdings zur Zeit der französischen Revolution und besonders seit dem zweiten Weltkrieg mehr Anklang.[2]

Dies hat verschiedene Gründe: Im Zeitalter der Aufklärung beginnen die Menschen sich auf die Vernunft und die Naturwissenschaften zu beziehen. Die bisherigen Deutungsmuster und Traditionen werden hinterfragt. Es wird nicht mehr einfach alles hingenommen. Außerdem entfällt die Erklärung alles Unbekanntem, „nicht-Erklärbarem“ durch einen allmächtigen Gott. Die Menschen besitzen jedoch ein tiefsitzendes Bedürfnis nach Ordnung und wenn es wenig Kontrollmöglichkeiten und plausible Erklärungen gibt, kann dies auch eine eingebildete Ordnung, wie z.B. eine Verschwörungstheorie, sein.[3]

Des Weiteren können Verschwörungstheorien als ein Krisensymptom aufgefasst werden.[4] Sie bekommen besonderen Zulauf, wenn traditionelle Deutungsmuster nicht mehr greifen. In den letzten Jahren kann man zusätzlich auch von einer „Krise des modernen Subjekts“ sprechen: Für Individuen wird es aufgrund von kaum mehr miteinander zu verbindenden Lebensbereichen zunehmend erschwert eine befriedigende Selbstwahrnehmung auszubilden. Hinzu kommen der Druck zur Mobilität, der die Beständigkeit sozialer Bindungen untergräbt, sowie durch moderne Kommunikationswege massenhafte, aber wenig verbindliche Kontakte. Außerdem gibt es eine Vielfalt an Wahlmöglichkeiten zwischen weit auseinanderliegenden Wert- und Wirklichkeitsvorstellungen, die, vor Allem durch die zunehmende Digitalisierung, eine besondere Form der Urteilskraft und Orientierungsfähigkeit fordern.

Verschwörungstheorien bieten also einen Rückzug auf einfache Welterklärungen mit wenig Komplexität und auch die Entlastung von der Verantwortung für eigene Entscheidungen.[5]

Corona-Verschwörungen und ihre Akteure

Das neuartige Corona-Virus bietet Verschwörungstheorien einen idealen Nährboden. Dadurch, dass genauer Ursprung und Verlauf des Virus mit vielen Unsicherheiten verbunden waren und sind, entstanden rasch wilde Spekulationen. Dabei ließ sich auch allgemeiner, bereits vorhandener Unmut auf den Umgang mit Covid-19 übertragen. So ist die Hochkonjunktur von Verschwörungstheorien, die sich in den letzten Wochen und Monaten beobachten ließ, wenig verwunderlich.

Verschwörungstheorien und -theoretiker*innen genau zu identifizieren und zu kategorisieren ist ein schwieriges Unterfangen. Das Corona-Virus kursiert weiterhin und wird uns zweifellos längere Zeit beschäftigen. So entwickeln sich auch die Theorien im Umlauf weiter, ebenso die Zahl ihrer Anhänger*innen. Eine nähere Untersuchung der aktuellen Theorien und Akteur*innen soll dennoch in Anlehnung an eine kleine Überblicksstudie des Spiegels erfolgen, die am 21.05.2020. veröffentlicht wurde.[6] Am Ende des Artikels geben die Autor*innen Einblick in ihre Quellen und Methodik. Gezielt wurde nach Corona-Videos mit großer Reichweite gesucht. Die 40 meist verbreiteten wurden analysiert, daraus dann Schlüsse gezogen.

So macht der Spiegel als beliebteste Themenkomplexe Zwangsimpfung, die Rolle von Bill Gates (Unterstellung von wirtschaftlichen und machtpolitischen Ambitionen), sowie die QAnon-Theorie aus. Diese besagt laut Deutschlandfunk[7] grob zusammengefasst, eine Elite aus demokratischer Partei, Banken, Medien etc. herrsche heimlich über die USA und mache sich dabei unter anderem des Kinderhandels schuldig. Das Corona-Virus sei zweifellos beteiligt. Welche Rolle es genau spielt bleibe jedoch unklar: Manch einer innerhalb der Bewegung leugne das Virus, andere verstünden es als absichtlich eingesetzte Bio-Waffe.

Generell scheint Uneinigkeit zwischen den einzelnen Theorien und ihren Akteur*innen zu bestehen. Im Netz lassen sich problemlos weitere Inhalte finden. Beispielsweise kursiert die Angst vor Zwangssterilisierung durch einen obligatorischen Impfstoff, an dem sich Auserwählte bereichern könnten. Auch ein perfider Plan zur Reduzierung der Weltbevölkerung wird dahinter vermutet. Ebenfalls die bekannten Ängste vor Diktatur, Globaler Überwachung oder verdecktem Streben nach Weltherrschaft fungieren als Verschwörungstheorien, die das Corona-Virus zu durchschauen meinen. Rechte Stimmen befürchten darüber hinaus eine „Asylflucht” im Schatten von Corona.

So heterogen wie der Pool der Verschwörungstheorien ist auch der der Akteur*innen. Eine besonders schnelle Verbreitung haben etwaige Inhalte insbesondere durch die Social-Media-Kanäle von Prominenten wie Attila Hildmann oder Xavier Naidoo erhalten, die eine überdurchschnittliche Reichweite vorweisen. Doch auch ein kleiner Kreis von Journalist*innen und Wissenschaftler*innen die das Virus verharmlosen ist an dieser Stelle zu nennen. Zwar sind beispielsweise Sucharit Bhakdi, Wolfgang Wodarg, Rolf Kron oder Claus Köhnlein nicht per se Verschwörungstheoretiker. Sie verleihen aber jenen Legitimität, von denen sie sich interviewen lassen, verbreiten falsche Fakten und vertreten meist eigene Interessen. Auch die „Alternativen Medien“ befeuern Verschwörungstheorien rund um das Corona-Virus auf signifikante Weise. Plattformen wie „Compact“, „Schrang.tv“, „Ken FM“, „Klagemauer.tv“ oder „Wissensmanufaktur“ liefern regelmäßig neue Inhalte, die Halbwahrheiten oder schlichtweg Falschinformationen enthalten. Neulinge und etablierte Verschwörungstheoretiker, manch einer meint momentan die „Wahrheit“ hinter Covid-19 erkannt zu haben. Eine erhöhte Verbreitung, die auf Resonanz trifft.

Verbreitung und Mobilisierung

Der Soziologe und Politologe Michael Schetsche beschreibt in dem Kapitel „Die ergoogelte Wirklichkeit“ aus seinem Buch „Die Google Gesellschaft“ vier Ursachen für den wachsenden Glauben an Verschwörungstheorien. Als erstes führe die wachsende machtpolitische Bedeutung von Informationen und deren Geheimhaltung zu einer wachsenden Spekulation über Geheimnisse. Daraus folgt ein zunehmendes Misstrauen gegenüber der staatlichen Orientierung an ethischen Grundsätzen und die schwindende Legitimität dieser. Eine Demention der Verschwörung führt hier auch oft zu einem stärkeren Gefühl des „Rechthabens“. Außerdem führt, so Schetsche, die einst wissenschaftliche, konstruktivistische Denkweise in der Gesellschaft zu einer Auflösung der ehemals festen Trennlinien zwischen „tatsächlich“, „wahrscheinlich“ und „vorstellbar“ in den kollektiven Diskursen und Wirklichkeitsmodellen. Letztlich führen die komplexer werdenden sozio-politischen Prozesse und das mangelnde Verständnis dieser zu alternativen Erklärungsmustern.[8]

Schetsche betont auch die Rolle der Netzwerkmedien in diesem Prozess. Während früher die Massenmedien als klar definierte Produzenten eine Verantwortung für den Effekt und die Richtigkeit der verbreiteten Inhalte hatten, wurde diese Trennung von Produzent*innen und Rezipient*innen durch das Internet und soziale Netzwerkmedien wie Twitter und Facebook aufgehoben. Heute kann jeder sowohl Empfänger*in als auch Versender*in von Inhalten sein, welche dadurch keine Zensur nach journalistischen Standards erfahren. Somit unterliegen sie keiner ökonomischen (Vertrauen der Leser*innen und Image des Konzerns) oder redaktionellen (Fakten) Selektionslogik und es können frei Informationen enthalten oder dazu erfunden werden.[9] Der Autor erklärt auch die Rolle von Suchmaschinen wie Google, die einem, den eingegeben Wörtern entsprechend, zahllose Ergebnisse liefern, aus denen frei gewählt und kombiniert werden kann. Das erleichtert die Konstruktion individuell motivierter Erklärungsmuster und das Auffinden von Schnittstellen mit realer Wissenschaft und anerkannten Deutungen enorm. Diese Vermischung von Fakten und Wirklichkeit lässt die Erzählungen legitimer wirken und beruft sich zum Teil auch auf anerkannte Expert*innen. Die Unüberprüfbarkeit von Autor*innen und Inhalten erschweren die Unterscheidung zwischen Wissenschaftler*innen, Laien und Interessierten, oder auch ideologischen Hintergründen zunehmend.[10]

Die Extremismusforscherin Julia Ebner erklärte in einem Interview Gründe,[11] warum gerade die Corona Pandemie diesen peripheren Deutungsmustern so in die Hände spielen. Sie erklärt, dass die Menschen durch den Lockdown und die Kurzarbeit mehr Zeit zu Hause und im Internet verbringen. Verbunden mit den Ängsten, die die Unsicherheit rühren und der Tatsache, dass diese Pandemie die erste Krise mit einer ausgeprägten Präsenz und Wirkung von sozialen Netzwerkmedien ist, zeigt sich schnell, wie der enorme Zulauf zu erklären ist.

Die Vermischung von realen und fiktiven „Fakten“ und Deutungsmustern wurde bereits als rhetorisches Mittel der Verbreitung genannt. Hinzu kommen Phrasen der Emotionalisierung und Dramatisierung wie „Angst & Schrecken“ und „Impfdiktatur“, oder Pauschalisierungen wie „Pharmafirma“ und „Regierenden“. Das „Argumentum ad iudicum“, also das berufen auf den Menschenverstand, wird auch häufig verwendet, in dem ein Sachverhalt so weit vereinfacht wird, dass die resultierenden Maßnahmen oder Prozesse absurd wirken und so mit reinem Menschenverstand zu hinterfragen und kritisieren seien. Meist wird relativierendes Vokabular (vermeintlich, wahrscheinlich, angeblich, usw.) gegenüber den „Verschwörer*innen“, sowie bestärkendes Vokabular (sicher, faktisch, eindeutig) und Entlarvungswörter („Klartext reden; endlich, sagen was Sache ist“) bezüglich der eigenen Äußerungen verwendet. Außerdem findet man häufig Negationen („Es gibt keine Pandemie“), Neologismen und Dysphemismen („Lügenpresse“, “Staatsterrorismus“, “Monstervirus“), welche den Sachverhalt entweder verharmlosen oder übertreiben sollen, je nachdem, was gerade nötig ist.[12]

Die jedoch häufigsten rhetorischen Werkzeuge von Verschwörungserzähler*innen sind die Konjunktive und die Äußerung mittels Fragestellung. Konjunktive als Modus von Verben beschreiben den Bereich des Möglichen und werden daher auch Möglichkeitsform genannt. Die Verwendung dieses Verbmodus ermöglicht es den „Theoretiker*innen“ die wildesten Behauptungen aufzustellen, ohne sich dabei direkt für die Inhalte verantwortlich zu machen oder rechtfertigen zu müssen, da sie ja nur Äußerungen über Möglichkeiten getätigt hätten. Den gleichen Vorteil hat die Fragestellung, da man hier auch einfach nur Fragen stellt und „man wird ja immerhin noch fragen dürfen!“. Diese Technik findet vor allem bei Prominenten gebrauch, die diese alternativen Erklärungen für sich neu entdecken. So werden Fragen gestellt wie „War die Pandemie der Plan von Bill Gates?“. Solche Fragen, vor allem als Überschriften von Postings und oft auch von Artikeln mehr oder weniger legitimer Zeitungen, sollen bereits mit der Überschrift ein Interpretationsmuster suggerieren, durch das dann die darauf folgenden Informationen gefiltert werden. Die humoristisch gemeinte, aber sehr oft zutreffende Medientheorie „Betteridge’s Law of Headlines“ beschreibt diesbezüglich die Tatsache, dass die meisten Fragestellungen in den Überschriften von Zeitungsartikeln (meistens der Boulevardpresse) direkt mit einem „Nein“ beantwortet werden können.

Die genannten technologischen und rhetorischen Mittel, in Verbindung mit den psychologischen und gesellschaftlichen Begebenheiten der Pandemie, machen Verschwörungserzählungen zu attraktiven, alternativen Deutungsmustern, welche die Unsicherheiten und Unzufriedenheiten lindern sollen.

Resonanz

Bislang ist es unklar, welche Resonanz Verschwörungstheorien durch die Corona-Krise insgesamt haben werden. Nicht zuletzt durch die "Corona-Demos" in München, Stuttgart und Berlin sah sich die Bundesregierung dazu genötigt, auf die von Verschwörungstheorien ausgehenden Gefahren hinzuweisen. Sie tragen zu einer massiven Polarisierung und Destabilisierung der gegenwärtigen Demokratie anhand der zunehmenden Radikalisierung bei. Die Verschwörungsgläubigen verbreiten oftmals Antisemitismus oder neigen zur Verharmlosung der NS-Diktatur indem sie immer wieder auf die Shoa-Vergleiche zugreifen. Einer der bekanntesten deutschen Verschwörungstheoretiker, Attila Hildmann, schrieb letztens in seiner Instastory: „Früher: Kauft nicht bei Juden, Heute: Kauft nicht bei Hildmann und Naidoo“.[13] In Stuttgart deutete Ken Jebsen, der über 3,2 Millionen Aufrufe in wenigen Tagen für sein Video „Gates kapert Deutschland!“ gesammelt hat, Nationalsozialismus zur Ärzteverschwörung um: „Damals wie heute waren es Ärzte, die Rassengesetze beschlossen und definierten, wer gesund war und wer nicht.“ Auch auf den Gründer der Bewegung „Querdenken711“, Michael Ballweg, scheinen NS-Symbole eine unwiderstehliche Faszination auszuüben. Auf Twitter veröffentlichte er einen Comic mit Bill Gates in SS-Uniform und einem Hakenkreuz aus Spritzen.[14] Der Antisemitismusforscher Samuel Salzborn von der Universität Gießen hält Verschwörungsmythen für untrennbar mit dem Hass auf Juden verwoben. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern dokumentierte mehrere antisemitische Bilder von Demonstranten, die einen gelben Stern mit Inschriften wie „nicht geimpft“ trugen.[15]

Verschwörungstheorien verbreiten sich in der Corona-Krise noch schneller als sonst. Die Falschnachrichten werden in den Messengern WhatsApp und Telegram oder in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram, TikTok tausendfach geteilt. Nahezu alle diese Kanäle haben Nutzer dazugewonnen, manche konnten ihr Publikum während der Pandemie sogar vervierfachen. Der Sänger Xavier Naidoo ist mittlerweile einer der wichtigsten Influencer unter den Verschwörungsgläubigen. Über 60.000 Abonnenten hat sein Channel auf Telegram; der Mannheimer postet dort nahezu pausenlos. Der WhatsApp-Mutterkonzern Facebook ging Anfang April einen drastischen Schritt ein: Er schränkte in seinem Messenger das massenhafte Weiterleiten von Nachrichten prinzipiell ein. Seine Nutzer warnte er davor, ungeprüft Nachrichten zu Corona weiterzuleiten, und verlinkte sie mit Faktenchecks. TikTok versucht, per verdeckter Moderation bestimmte Videos herauszufiltern. Sie werden zwar nicht gelöscht, bleiben jedoch für andere Nutzer weitgehend unsichtbar. Zudem empfiehlt die Plattform ebenso wie die Konkurrenz von Facebook und Twitter aktiv die Accounts der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Obwohl die Covid-19-Verschwörungstheorien enormen Aufwind haben, sind sie meistens kein Fall für den Verfassungsschutz, denn sie verfolgen nicht das Ziel wesentliche Verfassungsgrundsätze oder Grundrechte außer Kraft zu setzen. In bestimmten Bereichen gibt es allerdings ein deutliches Übergangsfeld. Ein Beispiel dafür ist «QAnon», eine Verschwörungstheorie aus den USA, die eine antisemitische Narrative (Weltverschwörung einer jüdischen Finanzelite) bedient.[16]

Einzelnachweise

  1. Anm.: eine einheitliche Definition gibt es nicht, daher habe ich versucht zu definieren, was allgemein darunter verstanden wird mit Hilfe gängiger Quellen: Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Verschwörungstheorie (Stand: 13.06.2020 14:53); Dwds: https://www.dwds.de/wb/Verschwörungstheorie (Stand: 13.06.2020 15:55).
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Verschwörungstheorien (Stand: 14.06.2020 17:53).
  3. https://www.zeit.de/2020/21/verschwoerungstheorien-corona-angst-kontollverlust-misstrauen (Stand 13.5.2020); Jennifer A. Whitson, Adam D. Galinsky: „Lacking Control Increases Illusory Pattern Perception” in: Science Oct. 3, 2008: New Series Vol. 322, No. 5898, pp. 115-117.
  4. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 160–163.
  5. Karl Hepfer: Verschwörungstheorien. Eine philosophische Kritik der Unvernunft. transcript, Bielefeld 2015, S. 17 ff.
  6. https://www.spiegel.de/netzwelt/web/corona-verschwoerungstheorien-und-die-akteure-dahinter-bill-gates-impfzwang-und-co-a-2e9a0e78-4375-4dbd-815f-54571750d32d
  7. https://www.deutschlandfunk.de/verschwoerungsmythen-die-bewegung-qanon-wird-zur-religion.886.de.html?dram:article_id=478337
  8. Michael Schetsche - https://www.transcript-verlag.de/chunk_detail_seite.php?doi=10.14361%2F9783839407806-013 -S.116
  9. ebenda S. 117.
  10. ebenda S. 118.
  11. Julia Ebner - https://www.vorwaerts.de/artikel/extremismusforscherin-einige-verschwoerungstheorien-unmittelbar-gefaehrlich (Beitrag einer SPD-nahen Zeitung).
  12. Carina D. Bukenberger, Rhetorik M.A: https://leonarto.de/2020/03/12/die-rhetorik-der-verschworungstheoretikerinnen-am-beispiel-des-coronavirus-2020/.
  13. https://www.welt.de/kultur/plus208010189/Hildmann-Co-Veganer-und-Verschwoerungstheorien-das-passt-zusammen.html?cid=onsite.onsitesearch
  14. https://www.welt.de/politik/deutschland/plus208034401/Corona-Demos-Fantasien-einer-gegen-das-deutsche-Volk-gerichteten-Weltverschwoerung.html
  15. https://www.welt.de/debatte/kommentare/article208136813/Volker-Ullrich-Der-Kampf-gegen-Antisemitismus-ist-Buergerpflicht.html
  16. https://www.welt.de/politik/deutschland/plus207687573/Fake-News-in-der-Corona-Krise-Die-taegliche-Dosis-Luegen.html


Fernlehre und Digitales Lernen

Nachdem ab Mitte März 2020 nahezu alle Bundesländer coronabedingt landesweite Schul- und Universitätsschließungen beschlossen hatten, rückte ein Thema mehr und mehr in den Blick der Kultusministerien: Wie kann Bildung und Lernen fortgesetzt werden, auch wenn Präsenz am selben Ort nicht mehr möglich ist? Ein Unterrichtsweg hat sich dabei profiliert, der bisher eher im Arbeitsbereich oder an Fernuniversitäten zu finden war, aber kaum an deutschen Schulen und nur begrenzt an deutschen Universitäten. Es handelt sich dabei um die digitale Fernlehre, deren Befürworter*innen behaupten, dass digitale Kommunikationskanäle per "Homeschooling" nicht nur eine Alternative zu herkömmlichen Unterrichtsmethoden bieten, sondern ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Sowohl Lehrende als auch Lernende können dabei von zuhause aus über das Internet kommunizieren und zusammenarbeiten. Dieser Artikel dient dazu einen Überblick über Wege der Fernlehre zu geben und sie in unterschiedliche Teile des Bildungsbereiches einzuordnen. Dagegen setzt er sich weniger mit Fragen von Lernkultur und pädagogischer Haltung auseinander, die bei der Nutzung dieser Wege ebenso entscheidend sind. Nur partiell behandelt er bildungspolitische Debatten, die mit dem Thema Digitalisierung einher gehen. Einen Einblick in dies ebenso essentiellen Themen gibt es in diesem Artikel vom Forum Bildung Digitalisierung.

Methoden der Digitalen Lehre

Prinzipiell lassen sich die Arten, digital zu unterrichten, in einerseits asynchrones Lehrangebot und andererseits synchrones Lehrangebot einteilen. Unterscheidungskriterium ist hierbei die Frage, ob die Lehrkräfte/ Dozierenden/ Professor*innen und die Schüler*innen bzw. Studierenden während der Unterrichtseinheit digital live zugeschaltet sind oder nicht. Im Folgenden sollen für beide Arten der Fernlehre oder des Homeschoolings die bedeutendsten Subkategorien in ihren wesentlichen Merkmalen gegenübergestellt werden. Jede Kategorie kann mit unterschiedliche Methoden und Tools gefüllt werden, eine umfassende Übersicht findet sich hier.

Außerhalb dieser Kategorisierung findet sich die Arbeit mit Unterrichts-Plattformen. Diese werden zur Vernetzung und Organisation genutzt. Dort können Materialien hochgeladen werden, Bewertungen ausgetauscht werden und Nachrichten geschrieben werden. Je nach Institution und Bundesland werden unterschiedliche Plattformen genutzt. Die "Kultusminister Konferenz" hat eine Übersicht zusammengestellt.

Asynchrones Lehrangebot

Skripte / Foliensätze

Die einfachste Art, den physischen Unterricht an der Bildungseinrichtung zu ersetzen, stellen wohl pdf-Skripte bzw. pdf-Foliensätze dar. Dabei ist diese Art der Stoffaufbereitung keineswegs neu, wurde Sie doch schon weitläufig an den Universitäten als Alternative zu einem gedruckten Vorlesungsskript genutzt. Durch die Coronamaßnahmen hat sich deren Anwendungsbereich aber auch auf Primär- und Sekundarstufe erweitert. Sie sind einfach zu erstellen, gering in ihrer Dateigröße und haben das Potenzial, den Unterrichtsstoff in seinem Kern prägnant zusammenzufassen. Andererseits erfordert diese Art des Digitalen Lernens ohne begleitenden Präsenzunterricht auch viel Eigeninitiative seitens der Schüler*innen und Studierenden ab. Zwar ist Ihnen meist freigestellt, wann sie sich die Vorlesungen/ Unterrichtseinheiten anschauen und durcharbeiten, d. h. aber auch, dass sich hier keine Interaktionen zwischen Lehrenden und Lernenden abspielt. Daraus kann sich eine erhöhte Anfälligkeit für Prokastination und Motivationsverlust einstellen kann. Aber auch ein Abhängen derer, die in diesem Modus schwer arbeiten können. Das zeigt sich im Extremfall, wenn diese Methode nicht durch weiteres Anschauungsmaterial bzw. Nachfragemöglichkeiten unterstützt wird.

Diskussionsforen

Diskussionsforen sind wie pdf-Skripts nicht erst seit der Corona-Pandemie bekannt. Jedoch zeigt sich aus der subjektiven Erfahrung von Lernenden, dass diese insbesondere im universitären Bereich verstärkt in Anspruch genommen werden - besonders wenn es seitens der Seminarleitung keine entsprechenden Möglichkeiten für Nachfragen gibt und gänzlich auf synchrones Lehrangebot verzichtet wird. Vorteil dieser Methode ist, dass sich die Lernenden untereinander autonom organisieren und sich im Idealfall untereinander bei der Bearbeitung der Aufgabenstellungen unter die Arme greifen können. Schwierigkeiten ergeben sich besonders dann, wenn solche Foren generell wenig besucht sind (wobei die Coronapandemie hier wie bereits erwähnt für ein wenig Auftrieb gesorgt hat) oder sehr spezielle Fragestellungen vorhanden sind, die nur von einem ausgewiesenen Experten auf dem entsprechenden Gebiet beantwortet werden können. Ideal sind Sie jedoch bei Verständnisfragen zur Stoffnachbereitung oder bei kreativem Brainstorming, da die Beitrage der Form nach frei sind und sich aus der Interaktion der Lernenden ein bedeutendes Maß an Einfallsreichtum entwickeln kann. Wichtig ist somit eine Förderung der Nutzung dieser Foren, z.B. durch wiederholte explizite Verweise oder Arbeitsaufträge die mit ihnen in Verbinden stehen.

Videomaterial

Wem die Corona-Pandemie definitiv zum Durchbruch verholfen hat, sind digital augezeichnete Vorlesungen. Vor der Pandemie gab es zwar schon ab und an innovative Dozierende und Lehrkräfte, die sich diese aufwendigere Möglichkeit des Digitalen Lernens zunutze gemacht haben. Jedoch erst durch die Zwangslage der Pandemie wurde diese Möglichkeit flächendeckend genutzt und dürfte mittlerweile bei deutlich mehr als der Hälfte der Dozierenden vorhanden sein. Auch an den Schulen gibt es immer mehr Versuche und Vorreiterschulen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Zwar ist der Fortschritt hier noch nicht so weit und Lehrkräfte greifen vornehmlich auf synchrone Live-Unterrichtseinheiten zurück. Jedoch muss man mit Verweis auf den beschleunigten Ausbau der digitalen Infrastruktur an Deutschlands Schulen - ein weiterer Nebeneffekt der Pandemie - definitiv feststellen, dass auch die hardwaretechnischen Anforderungen immer weniger eine unüberwindbare technische Hürde darstellen, was dieses Modell sicherlich noch zukunftsfähiger machen sollte. In der Literatur wird in diesem Zusammenhang vielfach das Konzept des "flipped classroom" diskutiert, was bedeutet, dass die Schüler*innen bzw. Studierende von zu Hause aus selbstständig Videoinhalte durcharbeiten, um dann gemeinsam mit den Lehrkräften/ Dozierenden die praktische Anwendung einzuüben. Dazu siehe auch Abschnitt FAQ-Session.

Selbstlernzeit

Ähnlich wie in der Präsenzlehre können neben den gemeinsamen Zeiten auch eigenständig Übungen durchgeführt werden. Diese können ganz unterschiedlich aussehen und müssen nicht zwingend digital stattfinden. Konventionelle Methoden wie Referate oder schriftliche Arbeiten werden jedoch meist in's digitale transferiert. Die Nutzung von Lehr-Softwarestellt eine vielschichtigere Form der digitalen Selbstlernzeit dar. Praktischere Übungen (z.B. in Sport, Kunst, Musik) eignen sich dazu grundsätzlich weniger, aber auch durch innovativere Methodenauswahl können Impulse zu verschiedensten Themen außerhalb der digitalen Welt gesetzt werden.

Synchrones Lehrangebot

Live-Input

Live-Input über das Internet könnte man wohl tatsächlich als unmittelbare Folge der Corona-Pandemie bezeichnen. Technisch wurde diese Möglichkeit bisher weder von Lehrkräften noch von Dozierenden umfangreicher genutzt. Erst durch die Pandemie kommt es, dass Programme wie "Zoom", "Webex" oder "Skype" mittlerweile auf einer beachtlichen Zahl an Notebooks und Rechnern installiert sind. War es im Vorfeld der Pandemie maximal üblich, vergangene Vorlesungen bzw. Unterrichtseinheiten für künftige Jahrgänge oder auch kurzfristig im Vorfeld aufzuzeichnen, sind Liveübertragungen mittlerweile im Alltag von Schüler*innen und Studierenden fest verankert. Dabei halten Vortragende ihren Stoff in Abgrenzung zur Videoaufzeichnung, wie der Name bereits andeutet, live vor ihrer Audienz ab. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die besser gegebene Möglichkeit zur direkten Partizipation in Form von Fragen oder Einbringen von Einwänden bzw. Unklarheiten. Ferner erzeugt eine Live-Übertragung eine ganz andere Lernatmosphäre als eine aufgezeichnete und unter Umständen schon in die Jahre gekommene Videoaufzeichnung, deren Inhalte womöglich nicht mal mehr auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft sind. Abgesehen von diesen positiven Punkten, zeigt die bisherige Umsetzung Mängel auf. Dazu gehören zunächst technische Aspekte. Nicht selten kommt es vor, dass Studierende oder im schlimmsten Fall Dozierende während der Übertragung "laggen" oder aus der Sitzung fliegen. Hier zeigt sich die Bedeutung digitaler Infrastruktur (Internetverbindung, Hardware-Qualität) und der Nachteil derjenigen die darüber nicht verfügen. Andererseits ist die Gestaltung einer Live-Unterrichtseinheit über das Netz nicht selbstverständlich. Dieselbe Atmosphäre wie im Präsenzunterricht zwischen Lehrendem*r und Lernenden herstellen ist anspruchsvoll. Zur Zeit ist die dafür benötigte Kompetenzvermittlung an Lehrpersonen nicht ausreichend. Dies kann zur Folge haben, dass die Aufmerksamkeitsspannen der Schüler*innen/ Studierenden darunter leiden. Einen vollwertigen Ersatz für den Präsenzunterricht ist diese Form also herausfordernd, wenngleich Sie durchaus viele Vorteile bietet - insbesondere im Vergleich zu lediglich aufgezeichneten Videovorlesungen.

FAQ-Session

Diese Unterrichtsmethode stellt gewöhnlich eine Verbindung aus Liveunterricht und der Bereitstellung von asynchronem Lernmaterial dar. FAQ-Sessions heißt, dass die Lehrkraft oder die Dozierenden zu bestimmten Themen Fragestunden anbieten, um eventuelle Probleme oder Unklarheiten und weiterführende Fragen der Lernenden thematisieren zu können. Positiv hervorzuheben ist hierbei, dass durch diese Verquickung von zunächst asynchronem Lernangebot mit dieser synchronen Lehrform entscheidende Defizite des reinen asynchronen Lernens ausgeglichen bzw. gänzlich vermieden werden können. Sie können trotz pdf-Skript oder Aufzeichnung dennoch eine persönliche Atmosphäre und Beziehung zwischen den Lernenden und dem*r Lehrenden herstellen. Die ist für das Erreichen der Lernziele unmittelbar wichtig und kann als Motivationsstütze fungieren bzw. Prokrastination verhindern. So kann zum Beispiel trotz fehlender Live-Vorlesung dennoch Verbindlichkeit zur Bearbeitung des Materials hergestellt werden.

Online-Seminar

Diese mit der Live-Input verwandte Methode eignet sich insbesondere praxisorientierten Unterricht, also besonders in Bereichen, in denen Lernen weniger frontal funktioniert. Technisch bieten verschiedene Programme die Möglichkeit, jederzeit die Gruppe zu teilen bzw. in Kleingruppen zu arbeiten, Zwischenergebnisse vor der gesamten Gruppe zu präsentieren und vieles mehr. Verbunden mit der Möglichkeit von Bildschirmübertragung oder einer physischen Tafel, die durch eine Kamera aus dem Senderaum der Dozierenden oder der Lehrkräfte per Stream übertragen wird, können spontan und flexibel Sachverhalte thematisiert und verständlich erklärt werden. Durch Zusatzfunktionen wie das Handheben wird softwareseitig die Kommunikation zusätzlich erleichtert. Herausgefordert wird die Interaktion dadurch, dass häufig nicht alle Teilnehmende sich per Kamera sichtbar machen. Damit kann weniger Partizipation und Erreichbarkeit verbunden sein. Wenn aber technisch jeder auf dem gleichen Niveau ist und alle auch von der installierten Hardware Gebrauch machen, können Webinare durchaus erfolgreich und für den weiteren Lernfortschritt fruchtbar sein. Wie für Live-Vorlesungen werden dafür auch hier entsprechende Kompetenzen der Lehrperson gefordert.

Online-Lerngruppen

Schließlich seien hier noch Online-Lerngruppen angesprochen. Analog zu den Diskussionsforen der asynchronen Methoden ermöglichen diese im Wesentlichen eine Selbstorganisation und Teamfindung unter Lernenden. Durch geeignete technische Hilfestellungen vonseiten der Dozierenden oder der Lehrperson kann eine etwaige Gruppenfindung erleichtert werden. Vorteil ist, dass die Teilnehmenden der Online-Lerngruppen ungefähr auf dem gleichen Kenntnisstand bezüglich der jeweiligen Materie sein dürften und dass dieses Format sich insbesondere dazu eignet, entsprechend schwierige Übungsaufgaben, die vielleicht nicht ohne Weiteres bewältigt werden können, doch lösbar werden. Auch hier ist der Erfolg der Gruppenarbeit von Partizipation und Interesse der Beteiligten abhängig. Unterstützende Impulse sollten von der Lehrperson genutzt werden, um die Interaktion zu fördern.

Anwendung im Bildungsbereich

Die Nutzung der beschriebenen Methoden muss entsprechend der verschiedenen Schul- und Ausbildungsformen abgestimmt werden. Je nach Alter und Bildungsweg sind unterschiedliche Arten des Lernens und des Umgangs passend. Der kommende Abschnitt soll Antworten darauf geben, inwiefern Fernlehre und Digitales Lernen an unterschiedlichen Stellen des Bildungsbereiches funktionieren kann. Dabei sei angemerkt, dass die verwendete Kategorisierung von Grundschule, Weiterführenden Schulen, Ausbildungsbereich und Universitäten weiterhin sehr allgemein ist und natürlich viel tiefer betrachtet werden kann. Diese Zusammenstellung soll aber zunächst zu einem groben Überblick verhelfen und ein Verständnis für den Zusammenhang von Zielgruppe und passender Methode entwickeln. Für eine Vertiefung helfen die Verweise in den entsprechenden Artikeln.

Grundschule

Homeschooling für Grundschüler*innen kann als besonders herausfordernd eingeschätzt werden. Wichtige Elemente des Lernens und des Schulalltags sind komplizierter im Homeschooling. Ein Schulalltag der mit Bewegung und praktischem Lernen in Verbindung steht ist schwer zu ersetzen. Aber auch die Möglichkeit zum Erleben in Gruppen und Umgang mit wechselnden Umgebungen ist eingeschränkt. Dazu kommt, dass "alleine" lernen ein hohes Maß an Selbstständigkeit erfordert, welches eigentlich in der Grundschule Stück für Stück entwickelt wird. Außerdem erfordert die Nutzung von digitalen Tools Fähigkeiten, die eigenständig zunächst kaum zu bewältigen sind.

Nicht desto trotz bieten sich Wege an, durch die Kinder einen Ersatz zum Präsenzunterricht finden können. Asynchrone Lernformen finden vor allem in der Selbstlernzeit statt. Durch Lernsoftware oder Plattformen, die spielerisch und intuitiv gestaltet sind können Inhalte vermittelt werden, die potentiell sogar eine Erweiterung konventioneller Lehrformen ermöglichen. Eine Sammlung solcher Programme wurde vom "Deutschen Bildungsserver" hier zusammengestellt. Input kann durch passende Video- und Erklärformate vermittelt werden. Dafür stellt der "Deutsche Bildungsserver" ebenso eine Sammlung zu Verfügung. Aber auch praktische Übungen wie Basteln oder Sport können zu Hause durchgeführt werden. Zusätzlich können für ältere Klassen Live-Sitzungen mit sich kennenden Gruppen und Lehrkräften durchgeführt werden. Auch Einzelgespräche können so stattfinden.

Bedingung für viele Arten des Homeschoolings ist aber die Unterstützung und Mitarbeit von z.B. Erziehungsberichtigten, die das Kind begleiten. Dies erfordert eine Kooperation von Lehrkräften und externen Personen und kann Kinder, die weniger Unterstützung bekommen benachteiligen. Eine Debatte zu digitaler Grundschule vom "Forum Bildung Digitalisierung" findet sich hier.

Weiterführende Schulen

Das Lernen mit älteren Schüler*innen an weiterführenden Schule bietet neue Möglichkeiten im Vergleich zur Grundschule. Es ist davon auszugehen, dass die Schüler*innen selbstständiger sind, mehr digitale und fachliche Kompetenz besitzen und soziale, wie emotionale Aspekte von Schule auch im Digitalen erleben können. Dennoch ist es wichtig unterstützende und passende Lernangebote zu Verfügung zu stellen. Das zu reine übermitteln von Arbeitsblättern und Lehrbüchern kann somit überfordernd und wenig wirksam sein, auch längere Inputs müssen zugänglich gestaltet werden. Dabei ist es wichtig die Konzentrationsspannen und Arbeitszeiten der Schüler*innen mitzudenken.

Als besonders wichtig ist die Interaktion von Lehrkraft und Gruppe einzuschätzen. Bei intakter Kommunikation über Unterrichtsplattformen, Mail oder Chat ist es möglich Aufträge für die Selbstlernzeit oder Gruppenarbeiten zu übergeben. Hiefür sollte eine Möglichkeit des Austausches gegeben werden, sodass Fragen und Feedback kommuniziert werden können. Dafür bieten sich auch Diskussionsforen oder FAQ-Sessions an. Input kann auch an weiterführenden Schulen über Video-Material vermittelt werden, die Übersicht vom "Deutschen Bildungsserver" stellt verschiedene Möglichkeiten dafür vor. Größer angelegt sind Lernprogramme die für unterschiedliche fachliche Orientierungen und Altersstufen konzipiert wurden, um in Verbindung von Input und Übung Inhalte näherzubringen. Auch diese können in diesem Kontext genutzt werden, Übersicht hier eine Auswahl. Wie bereits beschrieben zeigt sich die Gestaltung von Live-Einheiten als besonders anspruchsvoll, bei dementsprechenden Kompetenzen der Lehrkräfte können aber auch so digitale Klassenräume erzeugt werden, in denen die Teilnehmenden von ihrem eigenen Schreibtisch dabei sind.

An verschiedenen Stellen besteht aber auch die Gefahr des Abhängens von Teilnehmenden. Die Faktoren dafür können verschiedenster Natur sein (digitale Infrastruktur, Beeinträchtigungen beim Lernen etc.). Die Nichterreichbarkeit von Schüler*innen kann somit dazu führen, dass nicht alle vom Homeschooling profitieren und Bildungsungleichheiten verschärft werden.

Ausbildungsbereich

Dieser Abschnitt bezieht sich auf Homeschooling in der Berufsschule und nicht auf die Veränderung des Lernens im Betrieb. Sie deckt somit nur einen Teil der Bildung von Auszubildenden ab. In diesem Teil ist die Zielgruppe und die Art des Lernens weitestgehend vergleichbar mit der Situation an weiterführenden Schulen. Auch wenn Alter und Inhaltsvermittlung nur in Teilen übereinstimmen, so lassen sich die Möglichkeiten zur Fernlehre übertragen. Auch fachlichere Inhaltsvermittlung kann über Videomaterial, Foliensätze oder Lernprogramme stattfinden. Gruppenarbeiten und Austausch zwischen Auszubildenden und Lehrkräften können unter passenden Umständen auch digital umgesetzt werden.

Dabei sei angemerkt, dass auch im Ausbildungsbereich der Umstieg auf online Unterrichts-Plattformen stattfindet. Dies ermöglicht die Vernetzung, Verbreitung von Materialien und Organisation. Ebenso ähnlich ist der Qualifizierungsstand vieler Lehrkräfte einzuschätzen. Wie auch im Sekundar-Schulbetrieb ist ein Großteil der Lehrkräfte über das Lehramtstudium qualifiziert. Zusätzlich besitzen sie fachliche Kompetenzen in ihrem jeweiligen Bereich. Damit sei aber nicht behauptet, dass in der aktuellen Konzeption des Lehramtstudiums davon ausgegangen werden kann, dass ausreichend digitale Kompetenzen vermittelt werden, die eine hochwertige Umsetzung von Online-Unterricht ermöglichen. Auch hier ist mit einer hohen Fluktuation der Qualität in Abhängigkeit der Lehrenden zu rechnen.

Hochschulen

Gewöhnlich wird im deutschen Hochschulbereich zwischen zwei Kursformaten unterschieden. Dazu zählen zum einen Vorlesungen, also frontale Input-Vermittlung und zum anderen Seminar, die in kleineren Gruppen und partizipativer stattfinden. Viele Studiengänge bieten darüber hinaus Tutorien an, in denen Tutor*innen als Lernbegleiter*innen individuell unterstützen sollen.

Vorlesungen lassen sich sowohl synchron als auch asynchron durchführen. Somit finden sie entweder live, mit der eventuellen Möglichkeit für Fragen und Einwände oder aufgezeichnet statt. Als Hilfsmittel können Diskussionsforen oder FAQ-Sessions dienen. Auch Seminare lassen sich in der Fernlehre durchführen, dafür können Live-Einheiten genutzt werden, Übungen in der Selbstlernzeit durchgeführt werden oder Gruppenarbeiten stattfinden. Gleiches gilt für Tutorien, die ebenfalls im Seminarcharakter stattfinden. Diese bereits genannten Formate werden in sofern angepasst, als dass im universitären Bereich von einem höheren Maß an Selbstständigkeit und Eigenengagement ausgegangen wird. Hinzu kommt, dass die Komplexität der Inhalte ansteigt.

Viele Universitäten können dabei auf eine digitale Infrastruktur zurückgreifen, die das arbeiten auf Distanz ermöglicht. Dennoch ist das Studium insoweit eingeschränkt, dass wichtige Infrastruktur, wie Bibliotheken oder Labore nicht genutzt werden könne. Zusätzlich haben die Lehrenden andere Hintergründe als schulische Lehrkräfte. Diese Hintergründe sind meist eher akademischer Natur und weniger pädagogisch. Dies wirkt sich auf die Nutzung der zu Verfügung stehenden digitalen Formate und die Methodenvielfalt aus. Viele Veranstaltungen basieren daher auf Foliensätzen, langen Inputs und Vorlesungen. Somit wird im Hochschulbereich häufig nicht die zur Verfügung stehende Methodenvielfalt genutzt und das Lernen der Studierenden erschwert.

Mediale Rezeption

Hauptartikel: Mediale Rezeption der Coronamaßnahmen im Bildungsbereich

Chancen und Grenzen

Insgesamt betrachtet lässt sich festhalten, dass der Erfolg neuer digitaler Lernmethoden wie jedes didaktische Mittel von ihrer passenden Verwendung abhängt. Zu den Vorteilen zählen eine tendenziell größere zeitliche Flexibilität - insbesondere bei asynchronem Lehrangebot - und auch eine räumliche digitale Mobilität, die das Zuschalten etwa zu synchronen Videokonferenzen von überall möglich macht. Wenn die verfügbaren technischen Möglichkeiten seitens der Dozierenden und Lehrkräften sinnvoll genutzt und eingesetzt werden, ergeben sich ferner neue und innovative Gestaltungsmöglichkeiten für den digitalen Unterricht. Dazu können nicht nur interaktive Grafiken oder digitale Flipcharts gezählt werden, sondern auch einfach umsetzbare Selbsttests, die eine Überprüfung des Lernfortschritts ermöglichen.

Auf der anderen Seite sollte aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass durch das digitale Lernen Aspekte wegfallen bzw. erschwert werden, die in der klassischen Lehre zum Tragen kommen. Dazu zählt die veränderte Lernatmosphäre - Lernende und Lehrende haben keinen direkten Augenkontakt mehr und befinden sich nicht um selben Raum, dies kann zu Distanz und Ablenkung führen. Ferner werden wichtige Sozialisationsprozesse verändert, die ansonsten in den Schulpausen oder freien Stunden an der Universität vorhanden gewesen wären. Schließlich kann dies auch längerfristig zu einer Vereinzelung der Gesellschaft führen, wenn Schüler*innen sich von zu Hause aus bilden. Hinzu kommen die technischen Mindestvoraussetzungen - nicht jeder deutsche Haushalt mit (mehreren) Kindern kann sich ohne Weiteres die Anschaffung von benötigter Technik z.B. in Form von modernen Multimedia-Laptops leisten, ohne die das digitale Angebot kaum denkbar ist. Erschwerend kommt hinzu dass im Jahr 2020 immer noch weite Teil des ländlichen Raumes und peripheren Gebieten nicht an das schnelle Internet angeschlossen sind und somit die Möglichkeit zur Teilnahme an Videokonferenzen oder den Zugang zu großen Videodateien stark einschränkt ist. Weiter Fragen der digitalen Infrastruktur sind bisher nicht abschließend geklärt. Wie wird mit den Daten der Nutzer*innen umgegangen und wie kann dafür gesorgt werden, dass die Teilnahme am Homeschooling oder der Fernlehre sicher ist? Ein Ausarbeitung dieser Infrastruktur ist erforderlich, um allen Beteiligten einen Zugang zu digitaler Bilung zu garantieren. Auffallend ist auch, dass nicht alle außerhalb der Räumlichkeiten ihrer Bildungseinrichtungen über einen adäquaten Lernort verfügen. Mangel an Platz, Licht und Ruhe, kann zu einer Benachteiligung beim Lernen führen. Die Gefahr vor allem jüngere und eingeschränkte Schüler*innen nicht zu erreichen wird an verschiedenen Stellen dieses Artikels angedeutet und sollte im Fokus der Lehrenden liegen.

Entscheidend ist für den Erfolg von Fernlehre und Homeschooling auch der Kompetenzstand der Lehrkräfte. Aktuelle Qualifizierungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für den Bildungsbereich bereiten kaum auf ein Lernen im digitalen Raum und ohne Präsenz vor. Dies kann zu Überforderung vieler Lehrkräfte führen, wenn dies wie zurzeit der Fall auf einmal gefragt wird. Dabei sollte der Bildungsbereich in seiner Qualität nicht von Fallabhängigkeit geprägt sein, sondern einheitlich vorbereitet auf eine neue Form des Lernens sein.

Auch über die Corona-Pandemie hinaus können Formate der Fernlehre und des Homeschoolings einen größeren Platz im Bildungsbereich einnehmen. Inwieweit diese genutzt werden hängt von Entscheidungstragenden auf bildungspolitischer und bürokratischer Ebene ab. Dabei sollten die Potentiale für Fortschritte im Bildungsbereich in Betracht gezogen werden, die diese neue Lernformen bieten. Synchrone und asynchrone Formate lassen sich verbinden und auch Präsenz- und Onlineunterricht lässt sich verknüpfen. Dieses sogenannte "blended learning" wird an vielen Stellen als zukunftsweisend diskutiert und eröffnet eine Perspektive für ein Lernen nach der Corona-Pandemie.

Weblinks

Einzelnachweise

Auswirkungen von Covid 19 auf Kunst- und Kulturszene

Ökologische Kommunikation und Soziologie des Risikos nach Luhmann

von Daniel Stich und Şermin Güven-Griemert

Der Systemtheoretiker Niklas Luhmann (1927-1998) entwarf eine Theorie, die jeden Bereich der Gesellschaft erklärbar machen sollte. Dabei legt er besonderen Wert auf Kommunikation als Modus, durch den sich Systeme gemäß ihrer eigenen Logik der Komplexitätsreduktion konstituieren und aufrecht erhalten. Mit Blick auf die Covid-19 Pandemie, wird im Folgenden seine Theorie der Ökologischen Kommunikation ausgeführt und sein Risikobegriff dargestellt. Lesenden sollen auf diese Weise eine Möglichkeit erhalten, sich eine Vorstellung von seiner Blickweise auf die Ereignisse unserer Zeit zu bilden.

Zur Person Niklas Luhmann

“Bei meiner Aufnahme in die 1969 gegründete Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld fand ich mich konfrontiert mit der Aufforderung, Forschungsschwerpunkte zu benennen, an denen ich arbeite. Mein Projekt lautete damals und seitdem: Theorie der Gesellschaft; Laufzeit: 30 Jahre; Kosten: keine." [1]

Der 1927 geborene und 1998 verstorbene Niklas Luhmann erlangte mit seinem Lebenswerk, einer Systemtheorie der Gesellschaft Weltberühmtheit in der Soziologie. Dabei war er von Haus aus eigentlich kein Soziologe sondern Jurist und arbeitete nach dem zweiten Staatsexamen zunächst am Oberverwaltungsgericht Lüneburg und im niedersächsischen Kultusministerium. Für ein Ergänzungsstudium besuchte er 1960/61 die Harvard University, wo er Talcott Parsons kennen lernte. Diese Begegnung sollte ihn nachhaltig prägen; wenige Jahre später, 1964, erschien Luhmanns erster grundlegender Beitrag, funktionale Methode und Systemtheorie, zu seinem spezifischen Ansatz der Systemtheorie. Dass Luhmann in der Entwicklung seiner Theorie dabei von seiner Vergangenheit geprägt war und verwalterisch vorgegangen ist - seine Gedanken bspw. in Zettelkästchen sortiert und vor allem theoretisch gearbeitet, eben viel gelesen und geschrieben hat, hat zum besonderen Charakter seines Werks als Synthese vieler verschiedener Theorien sicherlich beigetragen. Luhmann hat nach Funktionen, Differenzen und Schablonen gefragt und so eine Systemtheorie der Gesellschaft entwickelt. [2]


Grundlagen der Luhmann’schen Systemtheorie

Während der systemtheoretische Ansatz von Talcott Parsons akteurzentrisch geprägt war, also danach fragte welche Funktionen die einzelnen Elemente eines Systems für dessen Struktur und Erhalt hatten, stellte Luhmann die Strukturen und Systeme selbst in den Mittelpunkt seiner Theorie. Nicht minder funktionalistisch, aber weitaus weniger normativ als Parsons Systemtheorie, entstehen und entwickeln sich im Luhmann’schen Verständnis Systeme, um Komplexität zu reduzieren. Die Welt ist komplex und eben in der Reduktion der Komplexität auf differente Strukturen und binäre Codes, kurz gesagt auf einen simplen Sinn, ermöglichen Systeme soziales Handeln.

Indem er den Fokus auf diese Systeme legt und sie als den einzelnen Elementen und ihren Interaktionen übergeordnete Determinanten begreift, begegnet Luhmann dem Problem, dass der “Gesamtablauf und das Funktionieren großer (sozialer) Systeme [...] sich nicht allein aus der Analyse seiner Teileinheiten [...] hinlänglich verstehen und erklären [lässt] - das Ganze ist eben mehr als die Summe seiner Einzelteile.” [3] Erst durch die Analyse der Systeme in ihrer Ganzheit, ihrer jeweiligen Funktionen und Zusammensetzung lassen sich Rückschlüsse auf soziale Situationen, Sachlagen und Realitäten schließen. Nach Luhmann fungieren solche Systeme autopoietisch, d.h. sie grenzen sich von ihrer Umwelt ab, indem sie ihre eigenen ‘Regeln’ in Form binärer Codes (z.B. System Politik: Macht/keine Macht) zur Komplexitätsreduktion erzeugen und sich und ihre Elemente im Rahmen dieser Regeln organisieren und reproduzieren.[4]

Eine besondere Rolle in diesem selbstreferentiellen Operieren sozialer Systeme kommt hier der Kommunikation zu, die Luhmann nicht als Verständigung zwischen zwei Personen versteht, sondern im Sinne ihres abstrakten Charakters begreift, also Verständnis und entsprechende Anschlussfähigkeit im Form von weiterer Kommunikation in den Blick nimmt. So treten für Luhmann’s “Theorie funktional differenzierter sozialer Systeme [...] hier Prozesse des selbstbezüglichen Operierens sozialer Systeme mittels generalisierter Kommunikationsmedien und ausdifferenzierter Codes und Programme in den Blick.” [5]

Ökologische Kommunikation: Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen? (1986)

Kontext zum Werk: Luhmanns Werk kann als eine Einführung zu seiner Systemtheorie verstanden werden. Erschienen ist das Werk parallel im selben Jahr der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986. Im gleichen Jahr erschien auch von dem deutschen Soziologen Ulrich Beck das Werk Risikogesellschaft. Ebenso wie Beck [6] sieht die in den 1980er Jahren zunehmend bedeutende ökologische Bewegung ökologische Probleme als gesellschaftlich begründet. Dahinter steht eine Dichotomie, die Gesellschaft als Täter und die Natur als Opfer versteht: es wird festgestellt, dass ökologische Probleme bestehen und Menschen dafür verantwortlich sind - daher soll eine Lösung in eine Veränderung der Gesellschaft liegen.

Auch für Luhmann ist klar, dass diese Probleme real sind und durch die Gesellschaft ausgelöst werden:

„Auf sehr verschiedene Weise fühlt die heutige Gesellschaft sich durch Effekte rückbetroffen, die sie in ihrer Umwelt selbst ausgelöst hat. Man denke an den zunehmend raschen Verbrauch nicht wiederherstellbarer Ressourcen, also auch (selbst wenn dies gelänge) an die zunehmende Abhängigkeit von selbsterzeugten Substituten; ferner an die Reduzierung der Artenvielfalt als Voraussetzung weiterer biologischer Evolution; sodann an die jederzeit mögliche Evolution medizinresistenter, also nicht mehr bekämpfbarer Krankheitserreger; weiter an die bekannten Probleme der Umweltverschmutzung; und nicht zuletzt: an die Überbevölkerung des Erdballs. All dies sind heute Themen gesellschaftlicher Kommunikation. Wie nie zuvor alarmiert die heutige Gesellschaft sich selbst […]" [7]

Zudem war aus seiner Sicht die Soziologie auf diese Situation unvorbereitet, denn sie beschäftigte sich bisher mit innergesellschaftlichen Perspektiven und hatte seit ihrer Begründung die Natur den Naturwissenschaften überlassen [8].

Allerdings sieht Luhmann die “Selbst-Alarmierung” der Gesellschaft kritisch. Er stellt fest, dass es seit den 1960er Jahren ein zunehmendes gesellschaftliches Bewusstsein für Umweltproblematiken gebe, die Gesellschaft sich aber selbst alarmiere, ohne über ausreichende kognitive Mittel der Prognose und Praxisanleitung zu verfügen.[9] Es gebe keine Roadmap für einen rationalen Umgang und einer sinnvolle Lösung ökologischer Probleme. Die Theoriediskussion über Ökologie hat laut Luhmann starke Defizite und es würde versucht dies mit moralischem Eifer zu kompensieren. Eine neue Umweltethik wird von vielen gefordert:

"Die Absicht der Demonstration guter Absichten bestimmt die Formulierung der Probleme. So diskutiert man aufs Geratewohl über eine neue Umweltethik, ohne die Systemstrukturen zu analysieren, um die es geht." [10]

Die eigene Gesellschaft werde heftigster Kritik ausgesetzt und mit Interventionsforderungen überzogen, als ob sie kein System wäre. [11] Die Problematik ökologischer Probleme lässt sich nicht allein auf Probleme des Gesellschaftssystems zurückführen, da hierbei externe Probleme kaum beachtet werden, obwohl jedes Systemproblem letztlich auf der Differenz von System und Umwelt zurückzuführen ist. [12]

Warum eine Ökologische Problemlösung so schwer ist, erklärt Luhmann anhand der Komplexität der modernen Gesellschaft und der zentralen Bedeutung von Kommunikationsfähigkeit.

"Die Gesellschaft besteht aus nichts anderem als aus Kommunikationen, und durch die laufende Reproduktion von Kommunikation durch Kommunikation grenzt sie sich gegen eine Umwelt andersartiger Systeme ab. Auf diese Weise wird durch Evolution Komplexität aufgebaut." [13]

Für ihn basiert die moderne Gesellschaft auf Kommunikation und ist in unterschiedliche Funktionssysteme (Wirtschaft, Wissenschaft, Politik etc.) ausdifferenziert. Diese Subsysteme wiederum unterscheiden sich durch das Medium und den daraus folgenden Code ihrer Kommunikation. Für Luhmann operieren alle diese Subsysteme nach einem binären Code bzw. Sprache.

  • Das Medium der Wirtschaft ist Eigentum und Geld, ihr binärer Code unterscheidet zwischen Haben/Nichthaben.
  • Das Medium der Wissenschaft ist wissenschaftliches Erkenntnis, ihr binärer Code unterscheidet zwischen wahr/unwahr.
  • Das Medium der Politik ist Konkurrenz um Macht und öffentliche Ämter, ihr binärer Code unterscheidet Regierung/Opposition.

Ein zentrales Problem ist die Kommunikationsfähigkeit der verschiedenen Funktionssysteme untereinander und ähnliche Schwierigkeiten bestehen in der ökologischen Kommunikation. Da laut Luhmann ökologisches Bewusstsein nicht direkt zu einer wirksamen gesellschaftlichen Kommunikation führt kann die Lösung von Umweltproblemen nicht in neuen Wertvorstellungen liegen:

"Erst wenn, aus Gründen, die nicht einem Bewußtsein zugerechnet werden können, ökologische Kommunikation in Gang kommt und die Autopoiesis gesellschaftlicher Kommunikation mitzubestimmen beginnt, kann erwartet werden, daß Themen dieser Kommunikation mehr und mehr auch Bewußtseinsinhalte werden". [14]

Eine Theorie der Gesellschaft muss sich an der Differenz von Gesellschaftssystem und Umwelt orientieren. Solange gesellschaftlich nicht darüber kommuniziert wird, spielen Fakten wie Waldsterben, Verschmutzung keine Rolle - sie erzeugen nicht automatisch Resonanz.[15] Kommunikation ist eine exklusiv gesellschaftliche Operation - die Umwelt des Gesellschaftssystems hat aber keine Möglichkeit, mit ihm zu kommunizieren, sie kann es nur irritieren:

"Die Umwelt kann sich nur durch Irritationen oder Störungen der Kommunikation bemerkbar machen, und diese mug dann auf sich selbst reagieren; so wie ja auch der eigene Leib sich dem Bewußtsein nicht über Bewusstseinskanäle mitteilen kann, sondern nur durch Irritationen, Druck- und Belastungsgefühle, Schmerzen etc., also nur in einer fiir das Bewusstsein resonanzfähigen Weise."[16]

Bewusstseinssysteme müssen sich den gesellschaftlichen Bedingungen der Kommunikabilität fügen, ansonsten sind sie wie ein Rauschen. [17] Die Schlüsselfrage ist, wie Umweltprobleme in der gesellschaftlichen Kommunikation Resonanz finden können, wenn das Gesellschaftssystem in Funktionssysteme gegliedert ist und nur durch Funktionssysteme auf Umweltereignisse und Umweltveränderungen reagieren kann? [18]

Für die einzelnen Funktionssysteme führt Luhmann diese Problematik aus:

Wirtschaft

Der Schlüssel des ökologischen Problems liegt, was die Wirtschaft betrifft, in der Sprache der Preise. Alles was in der Wirtschaft geschieht wird vorher durch die Sprache der Preise gefiltert. Auf Störungen, die sich nicht in dieser Sprache ausdrücken, kann die Wirtschaft nicht reagieren, aber andersherum muss jedes Problem, wenn es in der Sprache der Preise ausgedrückt ist, auch vom System Wirtschaft berücksichtigt werden. [19]

Recht

Das Rechtssystem kommuniziert auf Basis von Recht/Unrecht - es kann keine Normen importieren, sondern sie nur aus anderen Normen ableiten. [20] Die Ordnungsvorstellungen des Rechts beziehen sich eigentlich auf gesellschaftsinterne Beziehungen (Luhmann 2004:129). Das Umweltrecht frisst sich mit neuartigen Problemstellungen in geläufige Rechtsgebiete ein.[21]

Der juristische Umweltdiskurs führt letztlich nur zu einem Schema aus Unterscheidungen zwischen Freiheitsrechten und Zwangsregulierungen, ohne dass Umwelt überhaupt vorkommt (d.h. es ist nur auf den Menschen bezogen) - man ist weit davon entfernt, Bäumen oder anderen Teilen der Natur Rechte einzuräumen.[22]

Die Willkürkomponente bei umweltbezogenen Rechtsentscheidungen nimmt laut Luhmann deutlich zu. Das wird bei Fragen danach deutlich, wie hoch Grenzwerte angesetzt werden, wie Risiko bewertet wird, welche Präferenzen gesetzt werden, wenn Kausalzusammenhänge bei Umweltproblematiken so komplex und undurchsichtig sind.[23]

Wissenschaft

Offensichtlich ist die Gesellschaft als Ganzes weder willens noch in der Lage, das wissenschaftliche Weltbild zu übernehmen. Es ist und bleibt ein bloßes Implikat von Forschung. Was die Wissenschaft real exportiert, ist Selektionsbewusstsein und Technik: Selektionsbewustsein im Hinblick auf noch unbestimmte Rekombinationsmöglichkeiten und Technik als schon bestimmte und realisierbare. [24]

Politik

Das politische System ist anderen Funktionssystemen gegenüber nicht übergeordnet, es kann ökologische Probleme ebenso schlecht lösen, da es nicht außerhalb des eigenen Codes handeln kann. Macht und Zwang sind keine geeigneten Mittel um das Verhältnis der Gesellschaft zu ihrer Umwelt zu verändern (Luhmann 2004:174–75). Zudem ist politische Macht territorial beschränkt, die Auswirkungen auf die Umwelt sind aber nicht territorial beschränkt.[25]

Zur Soziologie des Risikos

Die 80er Jahre waren allgemein gesellschaftlich sowie natürlich in der akademischen Disziplin der Soziologie davon geprägt, sich infolge des Reaktorunglücks von Tschernobyl 1986, zunehmendem Klima- und Umweltbewusstsein und erwachender Protestbewegungen, mit den Auswirkungen der modernen Gesellschaft auf ihre Umwelt zu befassen. Dementsprechend ging es für die Soziologie nicht mehr nur um die Fragen sozialer Gerechtigkeit und sozialer Auswirkungen moderner Gesellschaftsstrukturen, sondern auch um die umweltbezogenen Risiken und Gefahren moderner Verhaltensweisen. Vor diesem Hintergrund verfasste Luhmann 1991 seine Soziologie des Risikos als Beitrag zur Diskussion um den von Ulrich Beck 1986 geprägten Begriff Risikogesellschaft.

Zur Definition von Risiko

„…von Risiko spricht man nur, wenn eine Entscheidung ausgemacht werden kann, ohne die es nicht zu dem Schaden kommen könnte“ [26]

Hervorzuheben ist zunächst die explizite Abgrenzung des Luhmann’schen Risikobegriffs von rationalistischen Traditionen, bspw. ökonomischen Theorien zur Kalkulation eines künftigen Schadens. Risiko wird in diesen Theorien Unsicherheit gegenüber gestellt, es gilt Wahrscheinlichkeiten und Ausmaß zu berechnen und durch Entscheidungen zu limitieren, kurz gesagt Sicherheit bzw. nach Luhmann den Schein von Sicherheit zu erzeugen. Vor diesem Hintergrund ist der Risikobegriff im sozialen Kontext nach Luhmann von drei Aspekten geprägt:

  1. Risiko ist an Zeit, genauer gesagt an die Zukunft gebunden. Das Individuum trifft eine Entscheidung, ohne die Konsequenzen dieser wirklich absehen zu können. Die Zukunft ist immer unbekannt, selbst „die Zukunft, die man durch die eigenen Entscheidungen erzeugt.” [27] Da die Zukunft jedoch eben nur auf eine ganz bestimmte Weise Gegenwart werden kann, muss sie im Zuge der Risikoentscheidung auf eine spezifische Form gebracht werden, “die als solche nie eintreffen wird, nämlich die Form wahrscheinlich/unwahrscheinlich.”[28] Prinzipiell kann dabei jede Entscheidung unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen, was zum zweiten Aspekt führt.
  1. Mit Risiko ist ein potentieller Schaden verknüpft. Der Risikobegriff ist gemeinhin negativ besetzt, aber Luhmann stellt klar, dass es durch eine Entscheidung “zu einem künftigen Schaden kommen [kann] - oder auch nicht.”[29] Ob das Schadensereignis eintritt ist ungewiss. Gewiss - im Sinne der Luhmann’schen Begriffsbestimmung - ist lediglich, dass die Beobachter*innen (Luhmann verwendet lediglich die Form Maskulin Singular) wissen werden, was der Fall ist.
  1. Somit muss das Risiko beobachtbar sein. Beobachter*innen sind hier im Kontext der Luhmann’schen Systemtheorie zu verstehen. So kann das beobachtende System zum Zeitpunkt der Beobachtung lediglich eine Seite bzw. Operation beobachten, niemals beide Seiten der binären Unterscheidung, also der zugrunde liegenden Kategorien des Systems zugleich. Vereinfacht gesprochen: “Zukünftiges lässt sich nicht beobachten.” [30] Erst in einem zweiten Schritt können das System oder Externe eine Beobachtung anstellen, genauer gesagt, eine Beobachtung der ersten Beobachtung zum Zeitpunkt der Entscheidung. Durch diese Beobachtung kann dann die entscheidende Verbindung ausgemacht werden, durch die das Risiko zum Risiko wird, d.h. es wird eine Entscheidung erkannt, ohne die es nicht zu einem möglichen entsprechenden Schaden kommen könnte. Aus diesem “Phänomen mehrfacher Kontingenz“ [31] heraus ergibt es sich auch, dass Beobachter*innen in ihren Ansichten divergieren können, also eben in ihrer Meinung darüber, ob Entscheidung und Schaden miteinander zusammenhängen bzw. es sich tatsächlich um ein Risiko handelt. Ein Risiko ist also nicht einfach, sondern ist abhängig von der Beurteilung der Beobachter*innen zweiter Ordnung.

Nun liegt es auf der Hand, dass mit jeder Entscheidung ein Schaden verbunden sein kann, dass Schaden immer möglich ist, es also immer Beobachter*innen geben kann, die ‘Risiko’ attestieren. Entsprechend stellt Luhmann fest, dass es „kein risikofreies Verhalten [... gibt, denn] selbstverständlich ist in der modernen Welt auch das Nichtentscheiden eine Entscheidung.“ [32] Luhmann erklärt in Abgrenzung zu Beck hier auch, dass die Bezeichnung Risikogesellschaft lediglich dahingehend zutreffend ist, als da es nicht um das Ausmaß der in der Moderne geschaffenen Bedrohungen geht [33], sondern darum, dass die moderne Gesellschaft auf die Zukunft ausgerichtet und mit einer ständigen Ungewissheit konfrontiert ist.


Die Unterscheidung Risiko / Gefahr

Vor dem Hintergrund der Begriffsdefinition lässt sich nun nachvollziehen, weshalb Luhmann die populäre Unterscheidung Risiko / Sicherheit als zwei Gegenbegriffe für unzureichend hält bzw. „der Sicherheitsbegriff eine soziale Fiktion bezeichnet.“ (Luhmann 1991: 28) Luhmann betont, dass „… wenn man Risiken in den Blick zieht, [...] jede Variante eines Entscheidungsrepertoires, also die gesamte Alternative riskant [ist], und sei es nur mit dem Risiko, erkennbare Chancen nicht wahrzunehmen, die sich möglicherweise als vorteilhaft erweisen werden.“ [34] Der Sicherheitsbegriff ist für Luhmann also eine Illusion und entlang den Linien seiner Begriffsdefinition, genauer gesagt in Bezug auf die Verknüpfung von Schaden und Entscheidung im Luhmann’schen Sinne des Risikobegriffs, wählt er ‘Gefahr’ als Gegenpol zu ‘Risiko’. Diese Unterscheidung setze voraus, so Luhmann, „daß in Bezug auf künftige Schäden Unsicherheit besteht.” [35] So ergeben sich zwei Optionen: Entweder wird der Schaden der Entscheidung zugerechnet - dann spricht man von Risiko - oder aber der Schaden wird als extern veranlagt gesehen, also der Umwelt zugerechnet - dann spricht man von Gefahr. Wenn der Schaden also nicht mit den Operationen des Systems von Beobachter*innen verknüpft wird, kann nicht von Risiko die Rede sein, sondern nur von Gefahr. Dabei wird die Gefahr als unberechenbar angesehen, da weder den Beobachter*innen noch dem System selbst eine Entscheidung bekannt wäre, die die Gefahr vermeiden könnte. Auf diese Weise verdeutlicht der Begriff Gefahr, dass eine Entscheidung letztendlich immer ‘riskant’ ist, auch wenn sich das operierende System oder Beobachter*innen dessen nicht bewusst sind.


Problem der Zurechenbarkeit am Beispiel ökologischer Schäden

„Gerade bei ökologisch vermittelten Schäden ist das Überschreiten einer Schwelle, eine irreversible Veränderung ökologischer Gleichgewichte oder der Eintritt einer Katastrophe oft gar nicht auf Einzelentscheidungen zurechenbar. […] Es gibt […] in der Akkumulation von Entscheidungseffekten, in Langzeitauswirkungen nicht mehr identifizierbarer Entscheidungen, in überkomplexen und nicht mehr tracierbaren Kausalverhältnissen Bedingungen, die erhebliche Schäden auslösen können, ohne auf Entscheidung zurechenbar zu sein, obwohl klar ist, daß es ohne Entscheidungen nicht zu solchen Schäden hätte kommen können.“ [36]

Auch wenn letztlich jede Entscheidung ob der Ungewissheit der Zukunft Gefahren birgt, lässt sich nach Luhmann nur auf zurechenbare Entscheidungen der Begriff Risiko anwenden. Diese Zurechnung kann aber auch externe Beobachter*innen vorgenommen werden und so könnte jede Entscheidung auch mit Risiko in Verbindung gebracht werden, da man “Im Prinzip [...] jeden Schaden durch Entscheidung vermeiden [könnte] [37], insbesondere dann, wenn man Schaden auch ausbleibende Vorzüge beschreibt. “Es gibt kein risikofreies Verhalten” (Luhmann 1991: 37), konstatiert Luhmann. Gleichwohl erkennt er das Problem, dass komplexe und vielseitige Entscheidungslagen in Sozialdimensionen, d.h. im Kommunikationsprozess, bei der sich alle Beteiligten gegenseitig gleichzeitig als Ego und Alter wahrnehmen, und in der Zeitdimension, also dem “Generieren von Strukturen im autopoietischen Prozeß der laufenden Selbsterneuerung des Systems” [38], dazu führen, dass Gefahren bzw. Schäden nur noch schwer einzelnen Entscheidungen zugerechnet werden können, es aber gleichsam immer Entscheider und Betroffene gibt. Entscheidungen erzeugen sozusagen Betroffene per se, wobei Luhmann feststellt, dass “Mehr und mehr [...] Betroffenheit zur Frage der sozialen Definition” [39] wird. Wenn nun alle Entscheidungen bei “entsprechend entwickelter Zurechnungsempfindlichkeit” [40] riskant sind und sich Risiken nicht mehr nur sozial abgegrenzten Kategorien zuordnen lassen, dann wird “das Risiko des einen [... zur] Gefahr für den anderen.” [41] Dieser Umstand äußert sich bspw. in den ökologischen Gefahren, die in einer Weltgesellschaft mit globaler Kommunikation einen universellen Charakter angenommen haben. Gleichsam muss damit gerechnet werden, “daß die moderne Gesellschaft zu viel auf Entscheidungen zurechnet und dies auch dort tut, wo der Entscheider (Person oder Organisation) gar nicht identifiziert werden kann.” [42] Für die Problematik, dass die Risiken der Entscheider, andere mitunter zu unvorhersehbar Betroffenen macht, während in komplexen Problemlagen Entscheider nicht mehr konkret ermittelt werden können, findet Luhmann keine abschließende Lösung, fordert aber, dass wir “mit neuen Formen der sozialen Regulierung von Risikoverhalten experimentieren [müssen.]” Denn es stehe fest, “daß es nicht möglich sein wird, dafür auf die alte Vertrauensethik zurückzugreifen, also Vertrauen zu verlangen und zugleich Vorsicht und Umsicht beim Erweis von Vertrauen.” [43]


Anwendungsbeispiel Covid-19 Pandemie

Der Risikobegriff im Luhmann’schen Sinne macht deutlich, dass es einen Zusammenhang zwischen den Operationen gesellschaftlicher Systeme und der Gefahr einer Pandemie geben muss, selbst wenn die Akteur*innen bzw. Beobachter*innen die verantwortlichen Entscheidungen nicht ausgemacht haben. Es gibt eben kein risikofreies Verhalten nach Luhmann. Tatsächlich finden sich Hinweise auf Kausalzusammenhänge zwischen dem Auftreten neuer Viren und menschlichem Verhalten. Das immer weiter voranschreitende Vorrücken des Menschen in natürliche Lebensräume, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Entwaldung und das rasante Wachstum von Großstädten, hat in den letzten Jahrzehnten immer neue Krankheiten auf den Plan gebracht, in immer kürzeren Intervallen. [44] Genauso ließe sich anführen, dass die Reduktion von Krankenhausbetten zum Ausmaß der gegenwärtigen Pandemie beigetragen hat.[45] Außerdem besteht in der Wissenschaft Einigkeit darüber, dass die Globalisierung als Phänomen und soziale Realität selbst Risiken hervorbringt.[46] Die Liste ließe sich fortsetzen und so ließe sich vermuten, dass diese Vielzahl an Entscheidungen, die die Welt in die gegenwärtige Krise geführt haben, sich des Risikos nicht bewusst waren und nun, da die Verbindungen herausgearbeitet wurden, entsprechend zur Risikominimierung angepasst werden. Gleichwohl besteht das Problem, dass es die Summe von vielen einzelnen Entscheidungen ist, die dazu führen, dass die Weltgesellschaft der Gefahr von Pandemien in zunehmendem Maße ausgesetzt ist. So bleibt es anzuzweifeln, dass tatsächlich die entscheidenden Schrauben gedreht werden, zumal da die verschiedenen Systeme auf unterschiedliche Weise die Erkenntnisse des Frühjahrs 2020 in ihre Logik übersetzen. So spielen bspw. im politischen Diskurs wissenschaftliche Erkenntnisse eine untergeordnete Rolle. Impf- wie Quarantänegegner*innen hören bzw. Vertrauen nicht auf das Robert-Koch-Institut. Systeme sind blind gegenüber ihren eigenen Problemen und nehmen Reize aus der Umwelt nur in dem Maße wahr, in dem sie die eigene Logik betreffen. Für einen grundlegenden Wandel bräuchte es einen grundlegenden Bruch mit den alten Systemen.

Quellen

  1. Luhmann, Niklas. Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt a.M. 1997; zitiert in Schäfers, Bernhard. Einführung in die Soziologie. Wiesbaden 2013: 215f.
  2. Schäfers 2013: 214ff., Stichweh, Rudolf. Niklas Luhmann: Der Theoretiker der Gesellschaft. Niklas-Luhmann-Archiv 2019. URL: https://niklas-luhmann-archiv.de/person/person-und-werk. Aufgerufen am: 9.6.2020.
  3. Pries, Ludger. Soziologie. Schlüsselbegriffe, Herangehensweisen, Perspektiven. Basel 2014: 140.
  4. vgl. Schäfers 2013: 220
  5. Scherr, Albert. Kommunikation. In: Kopp, Johannes / Steinbach, Anja (Hrsg.). Grundbegriffe der Soziologie. Wiesbaden 2018: 233.
  6. Beck, Urlich. Risikogesellschaft. Frankfurt a.M. 1986.
  7. Luhmann, Niklas. Ökologische Kommunikation. Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen? 4. Aufl., Wiesbaden 2004:11.
  8. Luhmann 2004:12.
  9. Luhmann 2004:11.
  10. Luhmann 2004:19.
  11. Luhmann 2004:20
  12. Luhmann 2004:13.
  13. Luhmann 2004:23.
  14. Luhmann 2004:64–65.
  15. Luhmann 2004:63
  16. Luhmann 2004:63.
  17. Luhmann 2004:65
  18. Luhmann 2004:75
  19. Luhmann 2004:122
  20. Luhmann 2004:126.
  21. Luhmann 2004:131.
  22. Luhmann 2004:132–33.
  23. Luhmann 2004:133.
  24. Luhmann 2004:165.
  25. Luhmann 2004:179.
  26. Luhmann, Niklas. Soziologie des Risikos. Berlin 1991: 25.
  27. Luhmann 1991: 21.
  28. Luhmann 1991: 81
  29. Luhmann 1991: 25.
  30. Luhmann 1991: 83
  31. Luhmann 1991: 25.
  32. Luhmann 1991: 37
  33. Beck 1986.
  34. Luhmann 1991: 30.
  35. Luhmann 1991: 30.
  36. Luhmann 1991: 35.
  37. Luhmann 1991:36.
  38. Luhmann 1991: 61.
  39. Luhmann 1991: 116.
  40. Luhmann 1991: 118.
  41. Luhmann 1991: 119.
  42. Luhmann 1991: 130.
  43. Luhmann 1991: 134.
  44. Shah, Sonia. Accelerating habitat loss behind Covid-19. The microbes, the animals and us. Le Monde diplomatique. März 2020.
  45. Cf. Lambert, Renaud. Rimbert, Pierre. The unequal cost of coronavirus. Le Monde diplomatique, April 2020
  46. Eriksen, Thomas Hylland. Globalization. The Key Concepts. Oxford 2014: 133ff.

Triage

Ethische Dilemmata der Triage

Autor: Aljoscha Mayer

Auf einer wenig befahrenen Straße kommt es zu einem folgenreichen Unfall. Ein Bus kommt von der Fahrbahn ab und kracht gegen einen Baum. In ihm sitzen dreißig Schüler*innen und ihre Lehrer*innen auf dem Weg zum einen Schulausflug. In Folge des Unfalls werden fast alle Businsassen verletzt. Zufällig kommt ein Rettungswagen mit zwei Sanitäter*innen und einer Ärzt*in vorbei. Sie wissen, auch wenn sie sofort Unterstützung anfordern, wird die Anfahrt von suffizienten Rettungsmitteln längere Zeit in Anspruch nehmen.

Wie sollen sie die Versorgung der über dreißig Verletzten organisieren?

Bei dem beschriebenen Fall handelt es sich um einen sogenannten Massenanfall an Verletzten (MANV), bei dem die individuelle und gleichzeitige Versorgung der Patient*innen auf Grund von fehlenden Kapazitäten (noch) nicht möglich ist. In einem solchen Fall kommt die sogenannte „Triage“ zum Einsatz, ein spezialisiertes Verfahren zur Priorisierung medizinscher Hilfeleistungen. Dabei werden die Verletzten mit Hilfe so genannter Sichtungskriterien in 4 Gruppen eingeteilt:

Gruppe I/Rot – akute, vitale Bedrohung: Sofortbehandlung

Gruppe II/Gelb – schwer verletzt/erkrankt: aufgeschobene Behandlungsdringlichkeit

Gruppe III/Grün – leicht verletzt/erkrankt: verminderte Behandlungsdringlichkeit

Gruppe IV/Schwarz – ohne Überlebenschance: zunächst nachgeordnete Behandlungsdringlichkeit


Das Prinzip, dem die Triage dabei folgt, ist das der Dringlichkeit und der damit verbundenen Interpretation, was im konkreten Fall verschiedene ethische Fragen aufwirft:

Wird die Behandlung eines Patienten aus Gruppe I der Behandlung eines Patienten aus Gruppe II vorgezogen in dem Wissen, dass weitere Hilfe in Bälde eintreffen wird, entsteht aus ethischer Sicht kein tiefgreifender Konflikt. Einen nicht lebensbedrohlich verletzten/erkrankten Menschen eine kurze Zeit (eventuell auch unter Schmerzen) warten zu lassen, damit man einem anderen das Leben retten kann, scheint ein vergleichsweise geringes Opfer. Anders verhält es sich, wenn dem Betroffenen aus Gruppe II durch den Zeitverzug erhebliche Folgeschäden drohen.

Bei der Begründung, dass die Rettung von Leben schwerer wiegt als bleibende Schäden zu verhindern, handelt es sich um eine schadensbezogene Deutung, bei der man beispielsweise den Verlust von Gliedmaßen dem Verlust des Lebens unterordnen würde.

Solche Entscheidungen übersteigen die Alltagsmoral und die individuelle Entscheidungsfähigkeit und können aus ethischer Sicht niemandem, weder Patient*innen noch Mediziner*innen und schon gar nicht Menschen in Extremsituationen zugemutet werden.

Noch deutlicher wird der ethische Konflikt bei der Betrachtung der Gruppe IV. Dabei muss zunächst bemerkt werden, dass die Bezeichnung „ohne Überlebenschance“ missverständlich wirken kann. Bei Patient*innen dieser Kategorie handelt es sich nicht ausschließlich um Menschen, die sichere Todeszeichen (Leichenflecke, Leichenstarre) oder mit dem Leben unvereinbare Verletzungen zeigen und deren Behandlung somit „sinnlos“ ist. Vielmehr wird bei der Kategorisierung in Gruppe IV auch die jeweilige Gesamtsituation von Ort betrachtet. Wenn beispielsweise Ressourcen zur Behandlung am Unfallort überhaupt nicht oder nicht in ausreichender Menge vorhanden sind, muss eventuell ein Mensch, der bei hohem Mitteleinsatz gute Überlebenschancen hätte, in die Gruppe IV eingeordnet werden. Diesbezügliche Überlegungen in der Literatur beziehen sich oft auf „Rettung ohne unvernünftig hohen Einsatz von Mitteln“, wobei das angewendete Kriterium die Effizienz ist.

Die Frage, ob Effizienz als Kriterium ethisch erwünscht sein kann, lässt sich anhand folgenden Beispiels verdeutlichen: Ein großes Passagierschiff beginnt mitten auf dem offenen Ozean zu sinken und das maximale Tragegewicht der Rettungsbote reicht nicht aus, um alle Passagiere zu retten. Wäre es in einem solchen Fall vertretbar - entsprechend des oben genannten Effizienzkriteriums - die leichtgewichtigen Passagiere zuerst und die hochgewichtigen zuletzt einsteigen zu lassen? Selbstverständlich nicht.

Es bedarf anderer Kriterien, weshalb jemand auf seine Rettung verzichten muss, um bei anderem Einsatz der vorhandenen Ressourcen den Gesamtnutzen zu erhöhen.[1][2][3]

Der Ex-Ante-Konsens

Eine Lösung für Dilemmata dieser Art ist der sogenannte Ex-Ante-Konsens mit der Grundidee, solche ethische Fragen schon vor einer Katastrophe/ Schadensereignis zu beantworten. Dabei geht man davon aus, dass die Verteilung der Betroffenheit bei einem Unglück zufällig erfolgt, jeder also mit der gleichen Wahrscheinlichkeit Betroffene(r) sein kann. Daraus ergibt sich für die Gesellschaft der Anreiz, schon im Vorhinein eine Ressourcenverteilung zu bestimmen, die effizient ist und die individuelle, statistische Überlebenschance erhöht.[4]

Triage während der COVID-19 Pandemie

Dass im Fall der COVID-19 Pandemie nicht (ausschließlich) auf den Ex-Ante-Konsens zurückgegriffen werden kann, ergibt sich aus den unterschiedlichen Ausgangssituation: Die Triage geht grundsätzlich davon aus, dass man sich bei einem Massenanfall von Verletzten/Kranken einmalig einen Überblick über die Gesamtsituation verschaffen muss. Gemäß des Ex-Ante-Konsens werden dann die Ressourcen verteilt. Betroffene, die der Kategorie IV zugeordnet werden, können dann eventuell auf Grund tragischer Umstände nicht gerettet werden.

Was aber bedeutet die Triage bei einem stetigen Zufluss an Kranken (wie bei einer Pandemie)? Entweder wird die Frage nach der Gruppenzuordnung bei jedem Erkrankten neu gestellt und gegebenenfalls einem anderen, deren Prognose schlechter ist als die des neu hinzugekommenen aktiv Ressourcen entzogen, oder aber, alle nach Erreichen der Kapazitätsgrenzen neu hinzukommenden Fälle müssten in Gruppe IV eingeordnet werden.

Der Deutsche Ethikrat spricht in einer solchen Situation von der sogenannten Ex-Post-Konkurrenz.[5] Diese stellt aktuell Mediziner*innen weltweit vor hohe ethische Herausforderungen.

Im Folgenden sollen die Empfehlungen von einigen wichtigen Akteuren im zentraleuropäischen Raum kurz vorgestellt werden:

Deutsche interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI)

Beim Umgang mit COVID-19-Erkrankten in Situationen von Ressourcenknappheit empfiehlt die DIVI ein Verfahren der Priorisierung, in das ausdrücklich auch diejenigen Patient*innen einbezogen werden, bei denen therapeutische und intensivmedizinische Maßnahmen bereits eingeleitet wurden. Dabei mögliche Therapiezieländerungen unterliegen strengen Voraussetzungen, und Vorerkrankungen dürfen nur dann Teil des Priorisierungsprozesses sein, wenn sie unmittelbar mit dem Therapieerfolg in Zusammenhang gebracht werden können. Die Priorisierung richtet sich ausschließlich nach der individuellen medizinischen Prognose und darf nicht den Eindruck erwecken, als würde der Wert eines Menschen bewertet. Auch demographische Kriterien dürfen keine Rolle spielen.[6]

Bundesärztekammer (BÄK)

Auch die BÄK rät im Falle von Ressourcenknappheit zur Priorisierung, wobei betont wird, dass stets “einzelfallbezogene Entscheidungen nach dem Prinzip der Gerechtigkeit auf der Basis von transparenten sowie ethisch und medizinisch-fachlich begründeten Kriterien” getroffenen werden müssen. Besondere Erwähnung findet, dass sich die individuelle Erfolgsaussicht nicht aus Faktoren wie Vorerkrankung oder Behinderung ergibt. Entscheidungen anhand von Schemata oder Algorithmen werden ausdrücklich abgelehnt. In Bezug auf Therapiezieländerungen bei Ressourcenknappheit werden keine genauen Empfehlungen ausgesprochen.[7]

Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI)

Im Unterschied zu ihren deutschen Kolleg*innen beschäftigt sich die ÖGARI nur wenig mit dem Prozess der Priorisierung bei der intensivmedizinischen Behandlung von COVID-19 Patient*innen. Dafür werden konkrete Kriterien genannt, unter denen die Änderung des Therapieziels respektive die Neueinordnung eines/r Erkrankten in Gruppe IV möglich ist. Eine Beendigung der intensivmedizinischen Maßnahmen kann demnach in Betracht gezogen werden, wenn der/die Patient*in “nach bestmöglicher individueller Prognose auf unabsehbare Zeit von Intensivtherapie vital abhängig bleiben wird, während ein/e andere/r Patient*in – gemessen an den zu plausibilisierenden Kriterien für den Beginn einer Intensivtherapie – ein besseres Outcome zu erwarten hätte”.[8]

Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW)

Die SAMW empfiehlt, ähnlich wie ihre deutschen Kolleg*innen, im Fall der Ressourcenknappheit eine Priorisierung zwischen den Patient*innen durchzuführen. Dabei haben diejenigen Vorrang, „deren Prognose im Hinblick auf das Verlassen des Spitals mit Intensivbehandlung gut, ohne diese aber ungünstig ist; Patienten also, die am meisten von der Intensivbehandlung profitieren”. Ausdrücklich als Kriterium abgelehnt wird ein - gleich wie bemessener - “gesellschaftlicher Wert”. Im Gegensatz zu den deutschen und österreichischen Kolleg*innen wird aber das Alter in die Priorisierung miteinbezogen. In Bezug auf die Neuzuordnung eines bereits unter Therapie befindlichen Menschen in Gruppe IV formuliert die SAMW, dass so entschieden werden soll, dass “die größtmögliche Anzahl von Leben gerettet wird.”[9]

Belgian Society of Intensive Care Medicine (SIZ)

Auch die SIZ empfiehlt eine Priorisierung der Patient*innen, die im Fall von Ressourcenknappheit den Prinzipien der Triage folgen soll. In Verbindung mit weiteren Kriterien können dabei auch das Alter und ernste Vorerkrankungen als Indikatoren für den Beginn bzw. die Aufrechterhaltung von therapeutischen Maßnahmen einbezogen werden. Auf eine Neuzuordnung von Patient*innen in Gruppe IV bei mangelndem Therapieerfolg wird lediglich mit einem Hinweis auf die individuellen, immer wieder zu evaluierenden Krankheitsverläufe Bezug genommen. [10]


Methodik der Triage

Autor: Clothaire Hanania

Triage wird ebenfalls als Methode verstanden, die die Behandlung von Patienten in der Notaufnahme oder im Falle von Ressourcenknappheit und/oder zu hohe Patientenmenge organisiert. Zuerst werden die Gütekriterien der Methode charackterisiert. Demnächst werden in Deutschland zwei benutzte Triage Systeme, die im Alltag oder im Falle von Ressourcenknappheit benutzt werden, präsentiert. Zum Schluss wird die Triage per Telefon, die während der Coronakrise, wegen der überschreitende Patientenmenge benutzt wurde, vorgestellt.


Die Triagesysteme als Methodik

Bei der Triage, wie sie bei der Aufnahme im Krankenhaus Anwendung findet, handelt es sich um ein System, um die stetig hinzukommenden Patient*innen untereinander zu priorisieren und somit eine möglichst effektive aber auch patient*innenbezogene Behandlung sicherzustellen. Um das zu garantieren, muss das System gewissen Gültigkeitskriterien genügen. Diese sind in Validität und Reliabilität. Die Validität eines Triage System wird gemessen durch die Widerspiegelung der festgelegten Dringlichkeitsstufe mit der tatsächlichen Dringlichkeit [11]. Zur Überprüfung der Validität werden Die Marker der Raten der Krankenhausaufnahme, die Aufnahme auf Intensivstation, Sterblichkeitsraten und Ressourcenverwendung verwendet [12]. Damit die Messmethode eine gute Aussagekraft hat muss die Reliabilität oder Replizierbarkeit der Ergebnisse möglichst hoch sein [13]. „Reliabilität wird mit Hilfe der к-Statistik angegeben: Bei einem Zufallsergebnis ist к = 0, bei к = 1 liegt eine absolute Übereinstimmung zwischen ≥ 2 Messungen vor“ [14]. Eine sehr gute Reliabilität benötigt eine Übereinstimmung zwischen 0,8 bis 1 [15] In der klinischen Notfallmedizin muss es Triage Instrumente geben, die eine befriedigende bis sehr gute Validität und Reliabilität aufweisen. Die Fünfstufigen Triage-Instrumente sind am meisten verbreitet, weil sie gute Gültigkeitskriterien aufzeigen. Am besten erforscht und am weitesten verbreitet ist der „Australasian Triage Scale“, „Canadian Triage and Acuity Scale“, das „Manchester Triage System“ und der „Emergency Severity Index“ [16] Der Triage Prozess wird benutzt um zu entscheiden welcher Patient nicht für eine Behandlung warten kann [17] Der Patient muss also weniger warten um behandelt zu werden, je mehr es sich um einen Notfall handelt. Und im Gegenteil muss dann der Patient, der keine gefährliche oder schmerzhafte Verletzung aufweist, länger warten um behandelt zu werden. Die Triage bedeutet also eine gewisse Wartezeit für die Behandlung von Patienten Das Manchester Triage System (MTS) und der Emergency Severity Index (ESI) werden in Deutschland angewendet [18]. Wir werden diese Beiden deswegen analysieren.

Zwei in Deutschland benutzte Triage Systeme

Das MTS und ESI "sind in Deutschland de facto die vorherrschenden Instrumente zur Ersteinschätzung in Notaufnahmen" [19]. Deswegen bezieht sich die vertiefende Analyse auf diese beiden Ansätze.

Manchester Triage System (MTS)

Das MTS wurde im Jahre 1994 von der Manchester Triage Group in Großbritannien entwickelt [20] Der Ansatz des MTS ist symptom basiert [21] Auf Basis eines ausgewählten Leitsymptoms werden allgemeine Informationen sowie indikationsspezifische Informationen abgefragt [22] Die hierarchische Systematik der Abfrage ermöglicht eine Einordnung in eine von fünf Dringlichkeitsstufen. Wir wir auf der Abbildung 1 sehen, wird mit Indikatoren der höchsten Dringlichkeitsstufe begonnen. Wird das Ergebnis eines Indikators positiv, also wird mit ja beantwortet, erfolgt die Zuordnung des Falles zu der jeweiligen Dringlichkeitsstufe [23]


Abbildung 1: Eigene Darstellung des MTS nach Mackway-Jones & Marsden & Windle (2011).

Emergency Severity Index

Das ESI System wurde von Notfall Medizinern und Pflegenden an der Harvard Medical School, Boston, USA, Ende der 1990 Jahre entwickelt [24] Bei dem ESI wird im Gegensatz zum MTS ein mehrstufiger Prozess benutzt [25] Das heißt, dass sich die ersten zwei Stufen eher darauf beziehen, ob lebensbedrohliche Erkrankungen oder Hochrisikosituationen identifiziert werden. Dann richtet sich das System auf „den voraussichtlich benötigten Ressourcenbedarf und das Verbleiben der Ressourcen zur Einteilung in die Stufen 3 bis 5“ aus.[26] Es bedeutet im Falle von Ressourcenknappheit organisiert dieses Triagesystem wer die Ressource bekommt und behandelt wird.

Abbildung 2: Eigene Darstellung des ESI nach dem Emergency Severity Index, Version 4 Implementation Handbook (2005)

Triage System per Telefon

Ein weiteres, oft benutztes Triage System funktioniert über das Telefon. Die telefonische Ersteinschätzung ist bereits seit längerer Zeit Bestandteil der Notfallversorgung in vielen Gesundheitssystemen [27] Dieses System wurde und wird auch in der Corona-krise sehr viel benutzt [28] Allein am Montag den 16.03.2020 bekam ein Callcenter ungefähr „165,000 inquiries“(ebd.).[29] Dieses System wird hauptsächlich genutzt, um erste Einschätzungen der Situation des Infizierten zu erhalten. Es werden nach Symptomen des Patienten gefragt, um zu wissen ob eine sofortige Versorgung notwendig ist. Mögliche Fragen in der Corona Krise wären: „"Were you in China, Italy, Iran or South Korea? Do you have fever, a cough and shortness of breath?“ (ebd.).[30] Problem dieser Triage Systeme ist aber, dass Sie nicht ermöglichen eine genaue Analyse zu bekommen, da der Arzt den Patient nicht vor Augen analysieren kann [31]

Die Situation der Triage in Frankreich mit Covid 19

Autorin: Léa CESBRON

Priorisierung der Patienten und Organisationen regionaler Akteure: Beispiel der Grand Est und der Ile de France

In Frankreich ist die Verteilung der Coronavirus-Fälle sehr ungleichmäßig, und es sind zuerst die Regionen der Grand Est und dann die Ile de France, die massiv vom Virus befallen sind.

[1] Diese Karte stellt die vom INSEE zwischen dem 1. März und dem 12. Juni 2020 gemessene Übersterblichkeit dar, indem der Durchschnitt der in diesem Zeitraum beobachteten Todesfälle im Vergleich zum gleichen Zeitraum in den Jahren 2018 und 2019 verglichen wird.

Da den Krankenhäusern und medizinisch-sozialen Einrichtungen nicht genügend Ressourcen zur Verfügung standen (Masken, Beatmungsgeräte, Betten usw.) , mussten die Ärzte und die regionalen Gesundheitsbehörden die sogenannte „Agence Régionale de Santé ARS“ Prioritäten setzen. Deren Aufgabe darin bestand, die Auswahlkriterien für die Aufnahme oder Nichtaufnahme eines Patienten auf die Intensivstation festzulegen. In bestimmten Krankenhäusern, die sich in einer kritischen Situation auf dem Höhepunkt der Epidemie befanden, bestand das Ziel darin, "so viele Menschen wie möglich zu retten, die eine Überlebenschance haben", aber immer nach den folgenden Prinzipien :[32]


- Kollegialität (eine Entscheidung eines Arztes muss vom Gesundheitsteam unterstützt werden)

- Respekt für die Wünsche und Werte des Patienten

- Unter Berücksichtigung des vorherigen Zustands des Patienten: seine Fragilität, bewertet anhand der CFS-Skala - sein Alter (besonders bei Covid-Patienten zu berücksichtigen) - seine Komorbiditäten: schwer vs. stabilisiert, einfach vs. mehrfach - sein neurokognitiver Zustand: normale kognitive Funktionen, wenig oder sehr beeinträchtigt - die Kinetik der Verschlechterung seines Allgemeinzustandes während der letzten Monate

- Unter Berücksichtigung seines gegenwärtigen klinischen Schweregrades durch Bewertung der Anzahl der Organversagen zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung, einer der beteiligten Ärzte in dem sie den Patienten oder seine Familie hätten untersuchen und mit ihm oder seiner Familie gesprochen haben sollen: Atmung; Hämodynamik; Neurologisch: Glasgow-Score <12; Degradationskinetik organischer Ausfälle; Mögliche Verwendung der SOFA-Punktzahl

- Die Bewertung seines Komforts (Schmerz, Angst, Erregung ...)

- Die Garantie von Betreuung und Unterstützung für alle respektvoll gegenüber der Person und seiner Würde.



In Frankreich gab es Prozesse der Priorisierung von Patienten in den Regionen Grand Est und Ile de France im Hinblick auf den Zugang zur Intensivpflege und Reanimation. Der Begriff Triage wird jedoch nicht verwendet, um zu beschreiben, was passiert ist. Viele Artikel zeigen, dass sie eine Triage von Patienten vermieden haben, wenn es um das Leben der Patienten ging. Mit anderen Worten, sie waren in der Lage, den Strom der Patienten zu steuern, die nach dem Priorisierungsprozess (oben genannten Grundsätzen) zur Reanimation gehen mussten. So wurde der digitale Austausch von der Zeitung "l'Obs" wahrgenommen, in welche die Ärzte über die Entscheidungen sprechen, die sie treffen müssen, um den Zugang zur Intensivpflege einzuschränken:

"Die Wiederbelebung Betten in der Region sind gesättigt, und es ist unmöglich, Beatmungsgeräte zur Eröffnung neuer Wiederbelebung Stationen zu finden. Gestern habe ich ein Gremium von Spezialisten (Intensivstation, Infektionskrankheiten, Innere Medizin, Pneumologie, Geriatrie, Notarzt) zusammengebracht, um die Indikationen für die verschiedenen Kanäle festzulegen und die Kriterien (insbesondere das Alter) für die Einschränkung des Zugangs zur Intensivstation klarer zu definieren.” [33]

Nach diesen Kriterien wird dann mit dem Gesundheitsteam ein Entscheidungsprozess festgelegt, bei dem die persönlichen Daten des Patienten berücksichtigt werden.

Die oben genannten Prinzipien werfen viele der ethischen Fragen auf, die wir bereits im ersten Teil des WIKI diskutiert haben. Einige Ärzte weisen jedoch darauf hin, dass es bereits eine Sortierung und Priorisierung angesichts therapeutischer Entscheidungen gab, dass diese aber mit dieser Krise einfach massiver und sichtbarer ist.[34]

Wiederum laut der letzten SAE-Umfrage von 2018 (Annual Statistics of Health Establishments), die jedes Jahr vom Gesundheitsministerium durchgeführt wird, gab es 5.050 Intensiv-Betten in 2018 im Frankreich. Und nach dem Gesetzbuch über das öffentliche Gesundheitswesen entspricht ein Bett auf der Intensivstation einem Bett, aber auch einem Gerät zur Atemunterstützung (im Allgemeinen als Beatmungsgerät bezeichnet) und dem Pflegepersonal unter der Verantwortung einer Pflegekraft auf einem Niveau (mindestens) von zwei Krankenschwestern für je fünf Patienten und einem Pflegeassistenten für je vier Patienten.[35]

Im Falle einer Triage aufgrund fehlender Reanimation Betten für einen Patienten, dessen Profil für die Reanimation ausgewählt wurde, nennt die ARS der Ile de France drei Möglichkeiten :[36]

  1. Verlegung in ein ungesättigtes Krankenhaus: In Frankreich, wie auch in China und Italien, als beschlossen wurde, Patienten, die auf Intensivstationen aufgenommen werden sollten, vorrangig zu behandeln, waren die Krankenhäuser manchmal mit einer unzureichenden Bettenzahl gesättigt, so dass eine gemeinsame Organisation der SAMU und der ARS notwendig war: die Zahl der Aufnahmen in Echtzeit zu regulieren und zu zählen, um Reisen in andere Krankenhäuser zu organisieren, die nicht gesättigt waren. In der Region Grand Est reichten Mitte März und trotz der Hilfe der Armee bei der Einrichtung provisorischer Militärkrankenhäuser die intraregionalen Transfers nicht mehr aus, da alle Betten belegt waren. Daher wurden einige Patienten nach Toulouse oder Marseille in den südlichen Regionen verlegt, um die Grand Est zu entlasten.
  2. Verwendung eines degradierten Pflegemodus zur Optimierung der Patientenoxygenierung in verwandten Strukturen, aber im Falle dieser Krise würden solche Einrichtungen auch ohne die erforderliche Ausrüstung und zusätzliche Pflegeteams eine Sättigung erreichen.
  3. Bumping, besteht darin, die Betreuung eines Patienten zu verkürzen, um Platz für einen anderen Patienten bei der Wiederbelebung zu schaffen. Diese Lösung fördert die frühe Extubation von Patienten und ihre Überführung in eine Zwischenstruktur (auch mit Relais mit hohem Sauerstofffluss) und erfordert, dass die Zeitlichkeit der Entscheidungsprozesse und die mögliche Einführung von Palliativpflege und familiärer Unterstützung respektiert werden.

Was die Triage von Patienten in Frankreich betrifft, so zeigen die von Krankenhäusern und die ARS übermittelten Informationen bisher, dass es keine Triage wie in Italien mit Menschen gegeben hat, die intubiert werden sollten, aber nicht intubiert werden könnten. Nur der erste Prinzip von “Verlegung in ein ungesättigtes Krankenhaus” wurde benutzt. Es gab "Gewissensentscheidungen" in der Ile de France und in der Region Grand Est. So konnte das Schlimmste verhindert werden, aber es gab auch Hunderte von Patienten, die in andere Regionen verlegt wurden, weil Krankenhäuser und Intensivstationen überlastet waren.

Was die Triage von Patienten in Frankreich betrifft, so zeigen die von Krankenhäusern und die ARS übermittelten Informationen bisher, dass es keine Triage wie in Italien mit Menschen gegeben hat, die intubiert werden sollten, aber nicht intubiert werden könnten. Nur der erste Prinzip von “Verlegung in ein ungesättigtes Krankenhaus” wurde benutzt. Es gab "Gewissensentscheidungen" in der Ile de France und in der Region Grand Est. So konnte das Schlimmste verhindert werden, aber es gab auch Hunderte von Patienten, die in andere Regionen verlegt wurden, weil Krankenhäuser und Intensivstationen überlastet waren.[37]

Priorisierung der medizinisch-sozialen Einrichtungen (Alters und Pflegeheims/ Psychiatrie)

Wenn man im Hinblick auf die Gesundheits- und medizinisch-sozialen Einrichtungen nicht von "Triage" sprechen kann, so kann man hinsichtlich der den verschiedenen Einrichtungen zugewiesenen Ressourcen durchaus von einer politischen Prioritätensetzung sprechen. Einige Akteure im medizinisch-sozialen Bereich sprechen von einem "Staatsskandal" oder von einem Staatsausstieg mit der Verpflichtung, allein zu wirtschaften, ohne Anweisungen und ohne die Mittel, den Schutz der Patienten in der Geriatrie und Psychiatrie weiterhin zu gewährleisten. Der von Les Echos veröffentlichte Artikel über "Die Autonome Republik der Psychiatrie" berichtet unter anderem über die Auswirkungen der Pandemie auf das psychiatrische Krankenhaus von Ville Evrard in Seine Saint Denis, das aufgrund seiner Lage das von der Epidemie am stärksten betroffene psychiatrische Krankenhaus in Frankreich war. In diesem Artikel sprechen sie von einer Priorisierung des Staates nach der Art der Einrichtung: dies entspricht dem Triage-Schema: aufgrund fehlender Mittel müssen die Einrichtungen nach einer Rangfolge klassifiziert werden. Das Problem ist, dass eine solche Klassifizierung mehr Ungleichheiten zwischen den Patienten schafft, die nicht mehr als Individuen, sondern als Mitglieder einer Einrichtung betrachtet werden.

"Unsere Disziplin hatte für die Gesundheitsbehörden keine Priorität: Wir lagen an dritter Stelle hinter den Covid-Einheiten, den CHUs und vor den EHPADs. Wir hatten keine Schutzausrüstung und keine Empfehlungen, wie wir uns verhalten sollten, abgesehen von der Verpflichtung, unsere Tagesstätten zu schließen. »[38]

So stellt die in diesem Artikel beschriebene Priorisierung die EHPADs, Einrichtungen für pflegebedürftige ältere Menschen, an das Ende der Ressourcenkette, obwohl die Sterblichkeitsrate unter den älteren Menschen höher ist als in der übrigen Bevölkerung.

In Frankreich standen 700.000 private oder öffentliche Einrichtungen für ältere und abhängige Menschen an vorderster Front gegen das Virus. Die "Teil"-Zahlen über die Opfer des EHPAD-Virus wurden erst ab dem 2. April, d.h. fast zwei Monate nach Beginn der Krise, erfasst.[39] Die EHPADs hatten keine klaren Anweisungen des Ministeriums für Solidarität und Gesundheit, sie hätten einen Leitfaden mit Hinweisen zu Barrieremaßnahmen und zur Quarantäne potenziell infizierter Patienten erhalten, aber wichtige Entscheidungen mussten oft auf der Ebene der Leitung der Einrichtungen getroffen werden, und insbesondere die Lieferung von Masken war für diese Einrichtungen, denen angesichts des Mangels keine Priorität eingeräumt wurde, sehr kompliziert. Etwa 12 769 Menschen sind seit dem 1. März in einem Heim für ältere Angehörige an Covid gestorben.[40] Anfang März fanden mehrere nationale Maskenlieferungen für 37 Millionen Masken statt. Die Verwaltung dieser Lieferungen wurde auf der Ebene der regionalen Gesundheitsbehörden (ARS) und in Zusammenarbeit mit den Departements beschlossen, die manchmal die Verteilung der Masken je nach Einrichtung entscheiden und vornehmen mussten.[41]

So sind wir Zeugen großer Disparitäten, über die Geographie hinaus haben einige Einrichtungen beschlossen, das Pflegepersonal auf die Bewohner zu beschränken ( z.B. Bergeron Grenier in Charente), während andere diese außergewöhnlichen Maßnahmen nicht ergriffen haben. Da nicht alle Einrichtungen über die gleiche Grundausstattung verfügen (fehlendes Personal, laufende Renovierungen, wenige Quarantäneplätze usw.), hat das Fehlen direkter staatlicher Unterstützung aufgrund fehlender Mittel die Ungleichheiten auf der Ebene der sozialmedizinischen Einrichtungen vertieft.

Notfallsituation in Frankreich: das Ergebnis einer öffentlichen Gesundheitspolitik, die bereits eine indirekte Triage eingeführt hat?

Diese Krise hat unter anderem die Unterbesetzung einiger Krankenhäuser, die schlechte Verteilung der Ressourcen und die Ungleichheiten in der Versorgung, die von einer Abteilung zur anderen bestehen können, aufgezeigt. In Seine Saint Denis zum Beispiel war die Zahl der Beatmungsgeräte und Betten für eine bestimmte Einwohnerzahl dreimal niedriger als in Pariser Krankenhäusern.[42]

Was wir die Triage der medizinisch-sozialen Einrichtungen genannt haben, hat vor allem die bereits bestehende Prioritätensetzung im Bereich der öffentlichen Gesundheit und des Budgets hervorgehoben. Einige Artikel, wie das “Tribune”(Artikel), das von 13 gewählten Vertretern und Gesundheitsbeamten verfasst wurde, prangerten eine "krankhafte Gleichgültigkeit" des Staates gegenüber älteren Menschen an. Dieser Artikel prangert eine Politik an, die das französische Gesundheitssystem geschwächt hat und die als Folge dieser Politik heute nicht in der Lage ist, die älteren Menschen zu schützen. In diesem Artikel prangern gewählte Amtsträger und Führungskräfte des Gesundheitswesens eine Tragödie an, die sich hinter verschlossenen Türen abspielt, und prangern die Sortierung dieser alten Menschen an, die als zu alt und zu schwach angesehen werden, um zu versuchen, sie auf die Intensivstation zu bringen.[43]

Hier handelt es sich über das Krisenmanagement hinaus um ein ganzes Versorgungssystem, das auf einer Prioritätensetzung beruht. Eine solche Krise machte die Mängel im Bereich der medizinisch-sozialen Betreuung in Frankreich nur noch deutlicher. Marie-Sophie Desaulle, Präsidentin des Verbands der privaten Krankenhäuser und Einrichtungen für persönliche Hilfe (Fehap), vertraute sich den Journalisten von Le Monde an und meinte, dass die Regierung nicht der einzige Schuldige sei, dass es eine Art politische Tradition gäbe:

"Wann immer es eine Gesundheitskrise gibt, besteht der Reflex Frankreichs darin, den Gesundheitssektor und damit das Krankenhaus zu schützen. Umgekehrt berücksichtigen die nordischen Länder angelsächsischer Kultur, insbesondere Deutschland, zunächst die Situation gefährdeter Menschen»[44]

Schließlich wurden die Patienten auch indirekt priorisiert: nach der Pflegeeinrichtung, in der sie interniert waren.Tatsächlich sind etwas mehr als 43% der Menschen, die wegen Covid ins Krankenhaus eingeliefert werden, über 80 Jahre alt. Allerdings gibt es erhebliche regionale Unterschiede. In der Ile-de-France starben 20% der Einwohner von Ehpad, die Opfer des Covid waren, im Krankenhaus. Das sind 1.000 von ungefähr 5.000 seit dem 1. März. In den Hauts-de-France liegen sie bei etwa 40%. So war der Zugang zur Krankenhausversorgung auf der Intensivstation für die Bewohner von Ehpad nicht von Region zu Region gleich, in der Ile de France entschied man sich dafür, die Bewohner von Ehpad in den EHPADs zu behalten.[45]

Situation in Deutschland

Versorgungslage von Anfang März bis heute

Laut den letzten verfügbaren Zahlen des statistischen Bundesamts von 2017 stehen in den 1.942 Krankenhäusern Deutschlands insgesamt 28.031 Intensivbetten (ITS-Betten) zur Verfügung. Das entspricht 33,7 ITS-Betten pro 100.000 Einwohner.[46] Damit war die Ausgangslage in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten zu Beginn der Pandemie relativ gut. Italien verfügt mit 12,5 ITS-Betten pro 100000 Einwohner*innen (Stand 2012) über weniger als die Hälfte der deutschen Kapazitäten. In den Niederlanden waren es im Jahr 2018 7,1 Betten.[47] Allerdings wird in Deutschland anders als in anderen Ländern die Auslastung der Intensivbetten nicht systematisch erfasst. Ende März begann die Deutsche interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ein Register anzulegen, in dem die Krankenhäuser auf zunächst auf freiwilliger Basis angeben konnten, wie viele Kapazitäten auf ihren Intensivstationen noch frei sind.[48] Seit dem 9. April ist die Meldung im "Intensivregister" verpflichtend für alle Kliniken bzw. Krankenhausstandorte, die Intensivbetten zur Akutbehandlung betreiben. Da im DIVI-Intensivregister jeweils nur die aktuellen Zahlen einsehbar sind, lässt sich aus diesen Daten kein zeitlicher Verlauf der Auslastung in Deutschland ableiten. Die Berliner Morgenpost stellt auf der Grundlage der Daten des Intensivregisters eine interaktive Karte zur Verfügung, aus der die Auslastung der Krankenhäuser in den einzelnen Regionen hervorgeht.[49] Die TU Berlin bietet eine Datenbank über die Anzahl von Patient*Innen, die in 18 europäischen Staaten stationär und im Krankenhaus behandelt werden.[50] Die Daten werden täglich aktualisiert.

Übernahme von Patient*innen aus anderen Staaten

Die Abschottung und nationalen Alleingänge der einzelnen EU-Staatem im Zuge der Corona-Pandemie wurden immer wieder kritisiert. Allerdings gab es auch einige Fälle von Solidaritätsbekundungen und gegenseitiger Unterstützung zwischen den EU-Staaten. Als Reaktion auf dei verschärfte Versorgungslage in den Nachbarstaaten erklärten sich mehrere deutsche Städte und Bundesländer bereit, schwerkranke Patient*innen aus Frankreich, Italien und den Niederlanden aufzunehmen. In zehn Bundesländern wurden 85 ITS-Betten für Patient*innen aus Italien reserviert und 95 ITS-Betten für Patient*innen aus Frankreich. Insgesamt wurden 44 Patient*innen aus Italien, 130 Patient*innen aus Frankreich und 46 Patient*innen aus den Niederlanden nach Deutschland überführt (Stand 18.06.).[51] Die Eine detaillierte Aufschlüsselung der medizinischen, ökonomischen und logistischen Hilfeleistungen von EU-Mitgliedsstaaten untereinander seit Beginn der Pandemie bietet der “European Solidarity Tracker” des Think Tanks European Council on Foreign Relations.

Zivilgesellschaftliche Debatte um Triage

In den Blickpunkt der Öffentlichkeit geriet das Thema Triage in Deutschland, als Ende März Berichte über die Überlastung der Gesundheitssysteme in Frankreich und Italien bekannt wurden. Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Bericht, den das Deutsche Institut für Katastrophenmedizin im Auftrag der Landesregierung Baden-Württemberg über die Situation an der Universitätsklinik Straßburg geschrieben hatte. Dem Bericht zufolge wurden Patient*innen über 80 Jahren seit dem 21. März nicht mehr beatmet und stattdessen mit Opiaten und Schlafmitteln sediert. Um die Anzahl der Erkrankten zu stemmen, müssten auch mit dem Coronavirus infizierte Mediziner*innen und Pfleger*innen weiterarbeiten. Erst beim Auftreten von Symptomen sei es dem Personal gestattet, die Arbeit zu unterbrechen.[52] Die Universitätsklinik Straßburg widersprach der Darstellung des DIFKM und betonte, dass nicht alleine das Alter, sondern der Gesundheitszustand insgesamt entscheidend dafür sei, ob ein*e Patient*in weiter beatmet wird.[53] Außerdem seien bereits neue Intensivkapazitäten geschaffen worden. Das DIFKM nahm den Bericht zum Anlass, auch für deutsche Krankenhäuser bessere Vorbereitungen zu fordern. Auch die Empfehlungen der DIVI und weiterer medizinischer Fachgesellschaften (s. oben) über die Zuteilung von Ressourcen in der Notfall-und der Intensivmedizin im Kontext der COVID-19-Pandemie vom 25.03. wurden vor allem von Behindertenrechts-Aktivist*innen und -Verbänden sehr kritisch aufgenommen. Die NGO AbilityWatch sieht darin eine strukturelle Benachteiligung von Menschen mit Behinderung. besonders kritisch sieht AbilityWatch die Bezugnahme auf den Clinical Frailty Scale (CFS)), da hier Menschen über 65 Jahren anhand von äußeren Merkmalen in verschiedene Kategorien einsortiert werden, die am Ende zur Priorisierung von Patient*innen dienen. Menschen, die auf Unterstützung von dritten oder auf Rollstühle angewiesen sind, würden so automatisch in eine höhere Kategorie eingestuft werden und hätten damit geringere Chancen auf eine Behandlung. Die Kriterien des seien allerdings völlig unzulänglich und sagten nichts über die tatsächlichen Erfolgsaussichten einer intensivmedizinischen Behandlung aus. Damit widersprächen die Leitlinien dem Grundgesetz, das eine Abwägung von Leben gegen Leben verbietet. Als Reaktion auf die Kritik veröffentlichten die medizinischen Fachgesellschaften am 16.04. eine überarbeitete Version der Empfehlungen. Am 5. Mai haben die LIGA Selbstbestimmung, die Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie (CBP) und dem Forum behinderter Juristinnen und Juristen (FbJJ) den “Runden Tisch Triage” ins Leben gerufen, eine Online-Plattform, auf der über menschenrechtliche Grundsätze für die Zuweisung intensivmedizinischer und notfallmedizinischer Ressourcen diskutiert werden kann.

Einzelnachweise

  1. https://www.aerzteblatt.de/archiv/52720/Katastrophenmedizin-Uebliche-Rechtfertigung-fuer-Triage-zweifelhaft
  2. https://ethik-in-der-praxis.de/downloads/zme-mm-165.pdf
  3. https://www.aem-online.de/fileadmin/user_upload/Ralf-Stoecker-Ethischer-Hintergrundkommentar-zur-Stellungnahme-der-Fachverbaende-und-AEM-1.pdf
  4. https://www.aerzteblatt.de/archiv/52720/Katastrophenmedizin-Uebliche-Rechtfertigung-fuer-Triage-zweifelhaft
  5. https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Ad-hoc-Empfehlungen/deutsch/ad-hoc-empfehlung-corona-krise.pdf
  6. https://www.aem-online.de/fileadmin/user_upload/200416-divi-covid-19-ethik-empfehlung-version-2.pdf
  7. https://www.aem-online.de/fileadmin/user_upload/BAEK_Allokationspapier.pdf
  8. https://www.oegari.at/web_files/cms_daten/covid-19_ressourcenallokation_gari-statement_v1.7_final_2020-03-17.pdf
  9. https://www.samw.ch/de/Ethik/Themen-A-bis-Z/Intensivmedizin.html
  10. https://www.aem-online.de/fileadmin/user_upload/COVID-19_-_Belgian_Society_of_Intensive_Care_Medicine__-ethical_final.pdf
  11. Twomey et al. 2007: S.477, http://dx.doi.org/10.1136/emj.2007.046383
  12. Fernandes et al. 2005: 46, https://doi.org/10.1016/j.jen.2004.11.002
  13. (vgl. Fernandes und al. 2005 zitiert nach Christ und al. 2010: 893)https://www.aerzteblatt.de/archiv/79711/Triage-in-der-Notaufnahme
  14. ebd. https://www.aerzteblatt.de/archiv/79711/Triage-in-der-Notaufnahme
  15. ebd., https://www.aerzteblatt.de/archiv/79711/Triage-in-der-Notaufnahme
  16. Christ et al. 2010: 893, https://www.aerzteblatt.de/archiv/79711/Triage-in-der-Notaufnahme
  17. Fernandes et al. 2005: 39, https://doi.org/10.1016/j.jen.2004.11.002
  18. Klinger und Dormann 2019: 589, https://link.springer.com/article/10.1007/s10049-019-0572-6?
  19. Hermann et al. 2017: 15 https://www.zi.de/fileadmin/images/content/Gutachten/Projektbericht_aQua-Institut_Ersteinsch%C3%A4tzung_von_Notfallpatienten.pdf
  20. Klinger und Dormann 2019: 590, https://link.springer.com/article/10.1007/s10049-019-0572-6?
  21. vgl. Somasundaram et al. 2009 zitiert nach Hermann et al. 2017: 15, https://www.zi.de/fileadmin/images/content/Gutachten/Projektbericht_aQua-Institut_Ersteinsch%C3%A4tzung_von_Notfallpatienten.pdf
  22. ebd., https://www.zi.de/fileadmin/images/content/Gutachten/Projektbericht_aQua-Institut_Ersteinsch%C3%A4tzung_von_Notfallpatienten.pdf
  23. ebd., https://www.zi.de/fileadmin/images/content/Gutachten/Projektbericht_aQua-Institut_Ersteinsch%C3%A4tzung_von_Notfallpatienten.pdf
  24. Klinger und Dormann 2019: 591, https://link.springer.com/article/10.1007/s10049-019-0572-6?
  25. vgl. Somasundaram et al. 2009 zitiert nach Hermann et al. 2017: 15, https://www.zi.de/fileadmin/images/content/Gutachten/Projektbericht_aQua-Institut_Ersteinsch%C3%A4tzung_von_Notfallpatienten.pdf
  26. ebd. https://www.zi.de/fileadmin/images/content/Gutachten/Projektbericht_aQua-Institut_Ersteinsch%C3%A4tzung_von_Notfallpatienten.pdf
  27. Hermann et al.2017: 16, https://www.zi.de/fileadmin/images/content/Gutachten/Projektbericht_aQua-Institut_Ersteinsch%C3%A4tzung_von_Notfallpatienten.pdf
  28. Bartsch und al. 21.03.2020, https://www.spiegel.de/international/germany/the-big-wave-of-corona-cases-will-hit-german-hospitals-in-10-to-14-days-a-45cd754c-e179-4dbb-8caf-8f6074e641cf
  29. https://www.spiegel.de/international/germany/the-big-wave-of-corona-cases-will-hit-german-hospitals-in-10-to-14-days-a-45cd754c-e179-4dbb-8caf-8f6074e641cf
  30. https://www.spiegel.de/international/germany/the-big-wave-of-corona-cases-will-hit-german-hospitals-in-10-to-14-days-a-45cd754c-e179-4dbb-8caf-8f6074e641cf
  31. Norfolk 2016: 423, https://www.sciencedirect.com/topics/nursing-and-health-professions/telephone-triage
  32. https://www.iledefrance.ars.sante.fr/system/files/2020-03/010_ARSIdF-CRAPS_2020-03-19_Doctrine_Criteres-admission_Soins-Critiques.pdf
  33. https://www.liberation.fr/checknews/2020/03/19/covid-19-combien-y-a-t-il-de-lits-en-reanimation-en-france-va-t-on-en-manquer_1782197
  34. http://www.lavie.fr/actualite/bioethique/le-tri-des-patients-du-coronavirus-ce-difficile-choix-ethique-24-03-2020-104855_394.php
  35. https://www.legifrance.gouv.fr/affichCodeArticle.do?cidTexte=LEGITEXT000006072665&idArticle=LEGIARTI000006691719&dateTexte=20130529
  36. https://www.iledefrance.ars.sante.fr/system/files/2020-03/010_ARSIdF-CRAPS_2020-03-19_Doctrine_Criteres-admission_Soins-Critiques.pdf
  37. https://www.lemonde.fr/planete/article/2020/04/04/coronavirus-dans-les-hopitaux-d-ile-de-france-la-semaine-la-plus-longue_6035529_3244.html
  38. https://www.lesechos.fr/politique-societe/societe/coronavirus-la-republique-autonome-de-psychiatrie-1197900
  39. https://www.lemonde.fr/idees/article/2020/04/13/la-situation-actuelle-des-ehpad-est-un-veritable-scandale-d-etat_6036433_3232.html
  40. https://www.lemonde.fr/societe/article/2020/05/06/on-a-vecu-une-tragedie-pourquoi-les-ehpad-payent-un-lourd-tribut-a-l-epidemie-due-au-coronavirus_6038845_3224.html
  41. https://solidarites-sante.gouv.fr/soins-et-maladies/maladies/maladies-infectieuses/coronavirus/professionnels-du-social-et-medico-social/article/accompagnement-des-personnes-agees-et-des-personnes-handicapees
  42. https://static.data.gouv.fr/resources/repartition-des-lits-de-reanimation-par-departement/20200505-062850/reanimation-dep.pdf
  43. https://www.lemonde.fr/idees/article/2020/04/13/la-situation-actuelle-des-ehpad-est-un-veritable-scandale-d-etat_6036433_3232.html
  44. https://www.lemonde.fr/societe/article/2020/05/06/on-a-vecu-une-tragedie-pourquoi-les-ehpad-payent-un-lourd-tribut-a-l-epidemie-due-au-coronavirus_6038845_3224.html
  45. https://www.lemonde.fr/societe/article/2020/05/06/on-a-vecu-une-tragedie-pourquoi-les-ehpad-payent-un-lourd-tribut-a-l-epidemie-due-au-coronavirus_6038845_3224.html
  46. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Krankenhaeuser/Publikationen/Downloads-Krankenhaeuser/grunddaten-krankenhaeuser-2120611177005.html
  47. https://www.sciencemediacenter.de/alle-angebote/fact-sheet/details/news/auslastung-der-intensivstationen-zahlen-aus-deutschland-und-europa/
  48. https://www.intensivregister.de/
  49. https://interaktiv.morgenpost.de/corona-deutschland-intensiv-betten-monitor-krankenhaus-auslastung/
  50. https://www.tu-berlin.de/?49992
  51. https://ec.europa.eu/info/live-work-travel-eu/health/coronavirus-response/coronavirus-european-solidarity-action_en
  52. https://www.tagesspiegel.de/wissen/patienten-ueber-80-jahre-werden-nicht-mehr-beatmet-deutsche-katastrophenaerzte-verfassen-alarmbericht-ueber-strassburg/25682596.html
  53. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/suedbaden/dramatische-zustaende-uniklinik-strassburg-100.html

Energie- und Wasserversorgung

Die Aufrechterhaltung essenzieller kommunaler Dienstleistungen wie z.B. der Versorgung mit Wasser und Energie stellte viele Städte und Gemeinden in Deutschland während der COVID-19-Pandemie vor eine Vielzahl an Herausforderungen.

Sowohl Betreiber*innen als auch die lokal verantwortlichen Regierungen unterstrichen immer wieder, dass eine Versorgung in jedem Fall sichergestellt sei und dass Engpässe jeglicher Art vermieden werden könnten. Gleichzeitig bedeuteten die Kontaktbeschränkungen eine umfangreiche Anpassung an die Hygieneregelungen sowohl für Mitarbeiter*innen am Arbeitsplatz als auch im Kundenkontakt, da Homeoffice in vielen Bereichen nicht möglich ist. Deutschlandweit schlugen sich die Kontaktbeschränkungen auch deutlich auf die Strom- und Wassernutzung nieder.

Dienstleistungen

Energieversorgung

Die Energieversorgung liegt in Deutschland häufig in kommunaler Verantwortung, in der Hand von sogenannten „Kommunalwerken/Stadtwerken“.[1] Es ist deshalb von besonderer Wichtigkeit, im Folgenden näher auf die Situation des Stromverbrauches während der Corona-Krise zu schauen. Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie machen sich mit Hinblick auf den Stromverbrauch auf unterschiedlichen Ebenen bemerkbar. Die Tatsache, dass viele Menschen durch geschlossene Bildungseinrichtungen und Homeoffice mehr Zeit zu Hause verbringen, führt hierbei oft zu einem Anstieg des Stromverbrauchs im eigenen Haushalt.[2] Für diese Entwicklung sind vor allem Tätigkeiten wie kochen, bügeln, trocknen etc. verantwortlich. Der Anteil dieser Aktivitäten beläuft sich auf ca. 30%. Kommunikationsgeräte, welche unter anderem durch die verstärkte Nutzung von Videokonferenzen, vermehrt zum Einsatz kommen, machen hingegen einen deutlich geringeren Anteil des individuellen Stromverbrauches aus. Dieser beläuft sich lediglich auf 17%.[3]

Ein praktisches Beispiel ist das Mittagessen: Analysen im April zeigten, dass der Stromverbrauch in der Mittagszeit an Werktagen über dem normalen Wert liegt. Dies ist vor allem auch auf den Wegfall von Kantinenessen und das zunehmende Kochen zu Hause zurückzuführen.[4]

Es besteht für Privathaushalte also die Gefahr, im folgenden Jahr Nachzahlungen tätigen zu müssen. Viele Stromanbieter weisen deshalb auf mögliche Abweichungen hin und bitten Kund*innen, entweder vorsorglich ihre Abschlagszahlungen zu erhöhen oder aber den Zählerstand vor und nach den COVID-19 bedingten Einschränkungen zur Abschlagsprüfung einzureichen.[5] Zudem gehen die meisten Stromanbieter auch auf mögliche Zahlungsschwierigkeiten ein, die bedingt durch die Pandemie aufgetreten sind. Hierbei wird in den meisten Fällen versichert, individuelle Lösungen für diese Probleme zu finden und sich verpflichtet keine Abstellungen vorzunehmen.[6]

Insgesamt ist allerdings zu beobachten, dass der deutschlandweite Stromverbrauch im Vergleich zum Vorjahr deutlich stark gesunken ist. In einigen weiteren europäischen Ländern wie Spanien oder Italien ist dieser Trend aufgrund der strikten Kontaktsperren noch stärker zu beobachten.[7] Viele Fabriken, Geschäfte, Hotellerien, Gaststätten, Theater und Clubs waren gar nicht oder nur eingeschränkt in Betrieb und haben demnach auch weniger Strom verbraucht. Da Personenhaushalte in Deutschland nur etwa 1/4 des gesamten Stromverbrauches ausmachen,(Stand 2019[8]) wiegen die Einschränkungen in der Industrie und im Handel deutlich schwerer. Es ist davon auszugehen, dass sich auch die Lockerungen der Einschränkungen und die Wiederaufnahme der Produktion bzw. Rückkehr an den Arbeitsplatz in den nächsten Monaten im Stromverbrauch abzeichnen werden.

Eine weitere Auswirkung des niedrigeren Stromverbrauches ist der größere Anteil an erneuerbaren Energien am Stromnetz. Während die Produktion in Kohlekraftwerken zurückging, waren Wind- und Solarenergiegewinnungsanlagen deutlich weniger stark betroffen. Dies liegt unter anderem daran, dass Kohlekraftwerke einfacher abgestellt werden können und somit einfacher zu steuern sind. Dies leistete einen weiteren Beitrag zur allgemeinen CO2-Reduktion seit Beginn der Kontaktbeschränkungen.[9]

Im Hinblick auf den Strompreis, zog der Rückgang des Gesamtverbrauches auch einen niedrigeren Preis an der Strombörse nach sich (teilweise -30%). Diese Veränderungen wirkten sich allerdings kaum auf die Endverbraucher*innen aus, da diese meist langfristige Verträge mit den Stromanbietern abgeschlossen haben. Derzeit ist der aktuelle Strompreis sogar auf einem Rekordhoch angekommen. Viele Versorger gaben an, aufgrund der steigenden Beschaffungskosten, die bereits vor der Corona-Krise bezahlt wurden, die Preise für Verbraucher*innen erhöhen zu müssen.[10]

Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Erdgas und Fernwärme sind vergleichsweise gering. Das viele Kommunal-/Stadtwerke allerdings neben Erdgas und Fernwärme auch für Strom und Wasser zuständig sind, sind auch diese Bereiche von Einschränkungen für Mitarbeiter*innen betroffen.

Wasserversorgung

Es gilt als unwahrscheinlich, dass das Coronavirus über das Trinkwasser übertragen werden könnte. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Umweltbundesamt konnten bisher keine lebenden COVID-19-Viren im Trinkwasser nachgewiesen werden.[11][12]

In einer Stellungnahme vom 12. März 2020 schreibt das Umweltbundesamt:

„Die Trinkwassergewinnung bietet zu jedem Zeitpunkt durch das Multibarrieren-Prinzip und durch die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik einen weitreichenden Schutz auch vor unbekannten Organismen und chemischen Stoffen. Insbesondere sind hier die Bodenpassage und die Partikelfiltration als wirksame Schritte hervorzuheben.
Die Morphologie und chemische Struktur von SARS-CoV-2 ist anderen Coronaviren sehr ähnlich, bei denen in Untersuchungen gezeigt wurde, dass Wasser keinen relevanten Übertragungsweg darstellt. Diese behüllten Viren zeigen im Wasser verglichen mit Enteroviren eine geringere Persistenz und sind leichter zu inaktivieren als Noro- oder Adenoviren. Auch das Risiko einer direkten Übertragung von Coronaviren über Faeces infizierter Personen erscheint gering, bis heute ist kein Fall einer fäkal-oralen Übertragung des Virus bekannt.“[13]

Allerdings beeinflussten die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus den Wasserverbrauch in deutschen Haushalten, Gemeinden und Unternehmen. Einerseits meldete der Ablesedienstleister Techem, dass aufgrund der erhöhten Aufenthaltszeiten zu Hause und der verstärkten Hygienemaßnahmen in Haushalten im Vergleich zum Vorjahr der Kaltwasserverbrauch um 10% und der Warmwasserverbrauch um 11% gestiegen sei.[14] Andererseits ist laut dem Bundesverband der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) der Verbrauch in Kleingewerben und Geschäften durch Schließungen und in der Industrie wegen Produktionseinschränkungen deutlich zurückgegangen.[15]

Auch sind aufgrund der Einstellung des Pendler*innenverkehrs Verschiebungen des Wasserverbrauchs von Stadtzentren hin zu den Randbezirken zu beobachten. Gerade Universitätsstädte und Tourismusgebiete leiden unter dem stark zurückgegangenen Trinkwasserverbrauch. So meldete der „Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Insel Usedom“, dass der Verbrauch in den Wochen vor Mai 2020 um rund 40 Prozent zurückgegangen sei, die hohen Fixkosten allerdings unverändert blieben. Somit drohen den Bewohner*innen der Insel Steigerungen der Wasserkosten.[16]

Zudem konnten zeitliche Verschiebungen des statistischen Hochs des täglichen Wasserverbrauchs vermerkt werden. Beim Duschen wird am meisten Wasser verbraucht. In den Statistiken der Stadt Stuttgart sieht man beispielsweise, dass sich das Duschhoch während der Corona-Einschränkungen von 7 Uhr morgens um ein bis zwei Stunden nach hinten verschoben hat, da unter anderem für Schüler*innen, Studierende und viele Arbeitnehmer*innen die Anfahrtswege entfielen.[17]

Abwasserreinigung

Während der Corona-Pandemie standen Kläranlagen aus verschiedenen Gründen immer wieder in der Aufmerksamkeit der medialen Berichterstattung: Im März 2020 meldeten deutschlandweit lokale Kläranlagen Verstopfungen der Kanalisationen und Pumpen. In Folge der Klopapier-Hamsterkäufe griffen viele Menschen auf Taschentücher, Küchenpapier oder Feuchttücher zurück. Diese Alternativen sind allerdings reißfester als herkömmliches Toilettenpapier und werden in den Kläranlagen nicht zersetzt. Verstopfte Pumpenanlagen müssen von Mitarbeiter*innen mit erheblichem Aufwand gesäubert und wieder in Betrieb genommen werden.[18][19]

In den Niederlanden ist es Forscher*innen gelungen, RNA-Spuren von nicht mehr infektiösen Coronaviren im Abwasser aus kommunalen Kläranlagen nachzuweisen. Sie untersuchten Proben aus Kläranlagen von sieben Städten und einem Flughafen. Auf diese Weise ist es den niederländischen Forscher*innen in der Stadt Amersfoort gelungen, das Coronavirus nachzuweisen, bevor der erste Fall offiziell gemeldet wurde.[20][21]

Nach diesem Erfolg startete im Mai 2020 auch in Deutschland ein Pilotprojekt mit dem Ziel, das Abwasser zu nutzen, um die Dunkelziffer der Corona-Infizierten zu erfassen und ein Frühwarnsystem zu installieren. An diesem beteiligen sich rund 25 Klärwerke in ganz Deutschland, die von Fachleuten des UFZ in Leipzig, der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) und der Technischen Universität Dresden begleitet werden.[22]

Personal

Um die Energie- und Wasserversorgung sicherzustellen und das Personal zu schützen, wurden unterschiedliche Sicherheitsmaßnahmen in den Unternehmen eingeführt. Der „BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft“ schreibt hierzu:

„Größtes Augenmerk legen die Unternehmen auf die Sicherstellung von betriebsnotwendigem Personal (sowohl eigenes als auch solches von Dienstleistern). Dies gilt v. a. für die Netzleitstellen und Kraftwerkswarten sowie für die technischen Rufbereitschaften zur Entstörung. Die Energie- und Wasserwirtschaft nutzt in weiten Teilen Fernwirktechnik und verfügt über einen hohen Automatisierungsgrad. Besondere Beachtung finden Arbeitsbereiche wie Leitstellen, Entstörungsdienste sowie dazugehörige Unterstützungsprozesse. Hier werden zusätzlich vorsorgliche Maßnahmen für den Fall einer Quarantäneanordnung ergriffen.“[23]

Zu den getroffenen Maßnahmen von Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft zählen laut BDEW:

  • Zutrittsbeschränkungen für relevante Gebäudebereiche.
  • Der Schutz des Schlüsselpersonals zur Sicherstellung der betrieblichen Abläufe innerhalb der Organisation zur Sicherstellung eines Notbetriebs.
  • Ggf. die Isolierung von notwendigem Fachpersonal für den Betrieb sensibler Bereiche voneinander.
  • Ggf. Vorkehrungen. dass Personal bei Auftreten eines Verdachtsfalls im Team aus getrennten Räumen arbeiten kann.
  • Die Planung des Personaleinsatzes nach ausgearbeiteten Notfallschichtplänen.[24]

Die meisten Unternehmen achten neben besonderen Hygienemaßnahmen für die Mitarbeiter*innen auf die räumliche Trennung des Personals z.B. durch Homeoffice oder geschlossene Teams in den Leitwarten.[25][26] Darüber hinaus haben einige Versorger wie der Energiekonzern E.on angekündigt, Mitarbeiter*innen für den Notfall zu kasernieren. Sie sollen an ihrem Arbeitsplatz wohnen, um Außenkontakte zu vermeiden.[27]

Kundenbetreuung

Die meisten Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft geben an, als Reaktion auf finanzielle Probleme ihrer Kundschaft in Folge der Corona-Krise verstärkt Ratenzahlungen anzubieten und vorerst von Sperrungen weitmöglichst abzusehen.[28] Persönliche Kundenbetreuungen und Hausbesuche wurden in der Regel zum Schutz der Mitarbeiter*innen und der Kundschaft vorübergehend eingestellt.[29]

Beispiel: Frankfurt am Main

In der Stadt Frankfurt am Main sind die Zuständigkeiten in der Energie- und Wasserversorgung zwischen verschiedenen Betrieben aufgeteilt. Die Stadtentwässerung Frankfurt am Main (SEF) ist u.a. für die Reinigung des Abwassers zuständig.[30] Die Mainova AG, die in Anteilen von über 75% den Stadtwerken Frankfurt am Main Holding GmbH gehört, einer hundertprozentigen Tochter der Stadt Frankfurt am Main, ist maßgeblich für die Energie- und Trinkwasserversorgung zuständig.[31] Beide Betriebe mussten seit Beginn der COVID-19-Pandemie Änderungen in den eigenen Arbeitsabläufen umsetzen.

Die SEF appellierte an alle Nutzer*innen darauf zu achten, welche Materialien in der Toilette entsorgt werden können und welche nicht, um Verstopfungen der Pumpsysteme zu vermeiden.[32] Einige Stadtwerke im Umkreis von Frankfurt hatten bereits Probleme der Pumpanlagen festgestellt, nachdem vermehrt andere Produkte als Toilettenpapierersatz eingesetzt wurden.[33] Des Weiteren berichtet die Stadtentwässerung von der Einteilung in Schichtbetriebe und die Umstellung auf Homeoffice soweit dies möglich ist.

Die Mainova AG reagierte ebenfalls mit umfangreichen betrieblichen Maßnahmen auf die Kontaktbeschränkungen. Das Kundenservicecenter wurde vorübergehend geschlossen und ein Krisenstab im Unternehmen eingerichtet, um die sich stetig verändernde Lage adäquat begleiten zu können.[34] In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau gab Constantin Alsheimer, der Vorstandsvorsitzender der Mainova AG, an, dass die Versorgung in jedem Falle sicher gestellt werden würde und im Notfall auch eine Kasernierung der notwendigen Mitarbeiter*innen in Betracht gezogen und vorbereitet werde.[35]

Während die Arbeit vieler Mitarbeiter*innen ins Homeoffice verlegt wurde, versicherte die Mainova, die Hygienemaßnahmen innerhalb der verbliebenen Gebäude u.a. durch zusätzliche Reinigungen umzusetzen.

Der Betrieb habe außerdem einen Rückgang im Stromverbrauch beobachtet, während die Nachfrage nach Wasser und Gas im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben sei. Mit einigen wenigen Ausnahmen treibt die Mainova auch die bereits laufenden Reparaturprojekte weiter voran, um die Instandhaltung der Netze während der Pandemie zu gewährleisten. Das vollständige Interview kann hier nachgelesen werden. Auch in Frankfurt am Main verschob sich zuletzt der Anstiegspunkt des morgendlichen Wasserverbrauches um zwei Stunden nach hinten, von 6 auf 8 Uhr.[36]

Mögliche Gewinnverluste konnten beide Betriebe bisher noch nicht voraussagen.

Einzelnachweise

  1. Georg Hermes: „Kommunale Energieversorgung zwischen hoheitlicher Aufgabenwahrnehmung und wirtschaftlicher Betätigung Privater“, S.281-33 in Der Staat Vo.31, No.2 1992, (aufgerufen am 20.6.2020) URL: https://www.jstor.org/stable/43642452
  2. Notker Blechner: „Warum der Strompreis nicht fällt“ zuletzt aktualisiert auf tagesschau.de am 28.5.2020 (aufgerufen am 20.6.2020), URL: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/boerse/strompreis-107.html
  3. Dpa: „Mehr Stromverbrauch durchs Home Office“ in der Morgenpost am 28.04.2020 erschienen (aufgerufen am 20.6.2020), URL: https://www.morgenpost.de/wirtschaft/article229000835/Mehr-Stromverbrauch-durchs-Homeoffice.html
  4. Hendrik Lehmann: „Weil der Strompreis sinkt, steigt wahrscheinlich Ihre Stromrechnung“ im Tagesspiegel am 4.Mai 2020 erschienen (aufgerufen am 20.6.2020), URL: https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/weniger-stromverbrauch-durch-corona-weniger-co2-hoehere-stromrechnungen-fuer-verbraucher/
  5. Stadtwerke Bonn: „Erhöhter Energieverbrauch zu Hause: So können Sie Nachzahlungen vermeiden“ (aufgerufen am 21.6.2020), URL: https://www.stadtwerke-bonn.de/fuer-zuhause/kundenservice/energie-und-wasserversorgung-in-bonn-in-zeiten-der-corona-krise/
  6. Jakob Schlandt: „Stadtwerke verzichten darauf, säumigen Kunden Strom und Gas abzustellen“ im Tagesspiegel am 10.03.2020 erschienen (aufgerufen am 21.6.2020), URL: https://www.tagesspiegel.de/wissen/energieversorgung-in-coronavirus-krise-stadtwerke-verzichten-darauf-saeumigen-kunden-strom-und-gas-abzustellen/25664972.html
  7. Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.: „Veränderung des Stromverbrauchs* gegenüber der jeweiligen Vorwoche“ (aufgerufen am 21.6.2020), URL: https://www.bdew.de/media/documents/20200402_BDEW_Grafik_Stromverbrauch_Europa_Vorwoche.pdf
  8. Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.: „Industrie nutzt die Hälfte des Stroms“ (aufgerufen am 21.6.2020), URL: https://www.bdew.de/media/documents/Nettostromverbrauch_nach_Verbrauchergruppen_2019_online_o_jaehrlich_Ki_12032020.pdf
  9. Hendrik Lehmann: „Weil der Strompreis sinkt, steigt wahrscheinlich Ihre Stromrechnung“ im Tagesspiegel am 4. Mai 2020 erschienen (aufgerufen am 20.6.2020), URL: https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/weniger-stromverbrauch-durch-corona-weniger-co2-hoehere-stromrechnungen-fuer-verbraucher/
  10. Dpa: „Stromverbrauch sinkt – Endpreise zunächst nicht“ auf FAZ.net zuletzt aktualisiert am 22.3.2020 (aufgerufen am 20.6.2020), URL: https://www.faz.net/-iu4-9xqpo
  11. WHO Global: „Water, sanitation, hygiene, and waste management for the COVID-19 virus: interim guidance” vom 23 April 2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URL: https://www.who.int/publications/i/item/water-sanitation-hygiene-and-waste-management-for-covid-19
  12. Umweltbundesamt: „Stellungnahme des Umweltbundesamtes: Trinkwasser und Coronavirus SARS-CoV-2 —Übertragung unwahrscheinlich“ vom 12. März 2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URL: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/374/dokumente/stellungnahme_uba_sars-co2_und_trinkwasser-1.pdf
  13. Umweltbundesamt: „Stellungnahme des Umweltbundesamtes: Trinkwasser und Coronavirus SARS-CoV-2 —Übertragung unwahrscheinlich“ vom 12. März 2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URL: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/374/dokumente/stellungnahme_uba_sars-co2_und_trinkwasser-1.pdf
  14. Techem: „Zahl des Tages: Höherer Wasserverbrauch in Zeiten von Corona - Deutsche legen weiter Wert auf Hygiene“ vom 07. Mai 2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URL: https://newsroom.techem.de/pressemappe/pressemeldungen/news/zahl-des-tages-hoeherer-wasserverbrauch-in-zeiten-von-corona-deutsche-legen-weiter-wert-auf-hygien.html
  15. Siegfried Gendries: „Wie Corona den Wasserverbrauch in Deutschland verändert“ auf Lebensraum Wasser – Der Wasser Blog veröffentlicht am 10.05.2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URL: https://www.lebensraumwasser.com/wie-corona-den-wasserverbrauch-in-deutschland-veraendert/
  16. NDR 1 Radio MV: „Corona: Wasserverbrauch auf Usedom zu gering“ auf NDR zuletzt aktualisiert am 01.05.2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URL: https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Corona-Wasserverbrauch-auf-Usedom-zu-gering,wasserverbrauch108.html
  17. Sina Götz: „Wasserverbrauch in Stuttgart. So verändert die Corona-Krise das Duschverhalten“ auf StN.de Stuttgarter Nachrichten zuletzt vom 07.04.2020 (abgerufen am 24.06.20 20), URL: https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.wasserverbrauch-in-corona-zeiten-stuttgarter-duschen-spaeter.818e49d4-8fbd-4ce1-ab80-c9c765994c8e.html
  18. Jens Joachim: „Corona: Kläranlagen wegen zu viel Klopapier im Krisenmodus“ auf Frankfurter Rundschau zuletzt aktualisiert am 19.03.2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URL: https://www.fr.de/rhein-main/kreis-gross-gerau/moerfelden-walldorf-ort799239/klaeranlagen-wegen-corona-pandemie-krisenmodus-13606654.html
  19. WDR: „Abwasser fürs Corona-Frühwarnsystem“ zuletzt aktualisiert am 18.05.2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URL: https://www1.wdr.de/nachrichten/themen/coronavirus/abwasser-warnung-corona-100.html
  20. Kerstin Viering: „Virus-Spuren im Abwasser sollen Ausbreitung von Corona sichtbar machen” auf Berliner Zeitung. De zuletzt aktualisiert am 19.05.2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URL: https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit-oekologie/virus-spuren-im-abwasser-sollen-ausbreitung-von-corona-sichtbar-machen-li.83904
  21. Arndt Reuning: „Coronaviren im Abwasser: Kläranlage als Frühwarnsystem“ auf Deutschlandfunk zuletzt aktualisiert am 08.04.2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URL: https://www.deutschlandfunk.de/coronaviren-im-abwasser-klaeranlage-als-fruehwarnsystem.676.de.html?dram:article_id=474300
  22. Arndt Reuning: „Coronaviren im Abwasser: Kläranlage als Frühwarnsystem“ auf Deutschlandfunk zuletzt aktualisiert am 08.04.2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URL: https://www.deutschlandfunk.de/coronaviren-im-abwasser-klaeranlage-als-fruehwarnsystem.676.de.html?dram:article_id=474300
  23. BDEW: „Corona-Virus: Aktuelle Fragen und Antworten“ zuletzt aktualisiert am 19.03.2020, URL: https://www.bdew.de/energie/corona-virus-aktuelle-fragen-und-antworten/
  24. BDEW: „Corona-Virus: Aktuelle Fragen und Antworten“ zuletzt aktualisiert am 19.03.2020, URL: https://www.bdew.de/energie/corona-virus-aktuelle-fragen-und-antworten/
  25. Christoph Manus: „Corona-Krise: Stromverbrauch zurückgegangen – Was passiert, wenn sich die Lage bei Mainova zuspitzt?“, auf fr.de zuletzt aktualisiert am 08.04.2020 (aufgerufen am 21.6.2020), URL: https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-am-main-ort28687/frankfurt-corona-krise-coronavirus-stromverbrauch-veraenderung-mainova-zr-13644506.html
  26. RheinEnergie: „COVID-19 - So sichern wir die Versorgung mit Energie und Wasser“ Stand am 24.06.2020 (abgerufen am 24.06.2020), URL: https://www.rheinenergie.com/de/privatkunden/kundenservice/faq_zu_coronma/faq_zu_corona.html#acc-964729-0
  27. Daniel Wetzlar: „Energieversorger ‘kasernieren‘ Hunderte Mitarbeiter ein“ auf Welt.de zuletzt aktualisiert am 25.03.2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URL: https://www.welt.de/wirtschaft/article206790435/Strom-in-Corona-Krise-Energieversorger-kasernieren-Mitarbeiter.html
  28. E.ON: „Ich habe finanzielle Schwierigkeiten aufgrund der Corona Situation. Wie wird E.ON mir konkret helfen?“ Stand am 24.06.2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URLhttps://www.eon.de/frag-eon/themen/service/fragen-und-antworten/ich-habe-finanzielle-schwierigkeiten-aufgrund-der-corona-sit/
  29. Hamburg Wasser: „HAMBURG WASSER und HAMBURG ENERGIE schränken Kundenservice ein +++ Versorgung ist sichergestellt“ zuletzt aktualisiert am 17.03.2020 (aufgerufen am 24.06.2020), URL: https://www.hamburgwasser.de/privatkunden/unternehmen/presse/hamburg-wasser-und-hamburg-energie-schraenken-kundenservice-ein-versorgung-ist-sichergestellt/
  30. Stadtentwässerung Frankfurt am Main: „Über uns“ (aufgerufen am 21.6.2020), URL: https://www.stadtentwaesserung-frankfurt.de/ueberuns.html
  31. Mainova: „Daten und Fakten - Unsere wichtigsten Fakten im Überblick“ (aufgerufen am 21.6.2020), URL: https://www.mainova.de/de/ihre-mainova/ueber-uns/profil/daten-fakten
  32. Stadtentwässerung Frankfurt am Main: „CORONA, ABWASSER UND WAS SIE TUN KÖNNEN“ (aufgerufen am 21.6.2020), URL: https://www.stadtentwaesserung-frankfurt.de/aktuelles/corona-abwasser-und-was-sie-tun-koennen.html
  33. Jens Joachim: „Corona: Kläranlagen wegen zu viel Klopapier im Krisenmodus“, auf fr.de zuletzt aktualisiert am 19.3.2020 (aufgerufen am 20.6.2020), URL: https://www.fr.de/rhein-main/kreis-gross-gerau/moerfelden-walldorf-ort799239/klaeranlagen-wegen-corona-pandemie-krisenmodus-13606654.html
  34. Mainova: „Mainova sorgt für zuverlässige Energie- und Wasserversorgung in Frankfurt und Rhein-Main“ (aufgerufen am 21.6.2020), URL: https://www.mainova.de/resource/blob/51764/dbbe394534637042023290b05543bc5f/pm-mainova-gewaehrleistet-zuverlaessige-versorgung-data.pdf
  35. Christoph Manus: „Corona-Krise: Stromverbrauch zurückgegangen – Was passiert, wenn sich die Lage bei Mainova zuspitzt?“, auf fr.de zuletzt aktualisiert am 08.04.2020 (aufgerufen am 21.6.2020), URL: https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-am-main-ort28687/frankfurt-corona-krise-coronavirus-stromverbrauch-veraenderung-mainova-zr-13644506.html
  36. Nina Luttmer: „Später duschen, früher fernsehen: Wie die Corona-Krise unsere Gewohnheiten verändert“, auf fr.de zuletzt aktualisiert am 3.5.2020 (aufgerufen am 21.6.2020), URL: https://www.fr.de/wirtschaft/corona-krise-pandemie-unsere-gewohnheiten-veraendert-13746735.html